Mit Geduld und langem Atem

ABRECHNUNG: Denkmalpfleger ziehen Bilanz

POTSDAM - Denkmalpfleger brauchen einen langen Atem. Wer wüsste das nicht besser als Detlef Karg, der Direktor des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege. Seit 1990 ist er als Landeskonservator im Amt und oft haben er und seine Mitarbeiter in Wünsdorf in dieser Zeit jede Menge Geduld aufbringen müssen, um märkische Baudenkmale zu retten. Doch als der Berufsoptimist Karg am Donnerstag im Schloss Glienicke auf der traditionellen Pressekonferenz seiner Behörde den Bericht für das vergangene Jahr vorstellte, sah man ihn ungewöhnlich nachdenklich.

Was Karg die Sorgenfalten auf die Stirn treibt, ist die Frage, wie die Arbeit auch in Zukunft geleistet werden kann. Wünsdorf muss bekanntlich mit immer weniger Geld und Personal auskommen. 2012 soll die Zahl der Mitarbeiter auf 80 sinken ein Drittel weniger als 1998. Es sei abzusehen, so konstatierte der Landeskonservator nüchtern, dass fachgerechte Betreuung bald nicht mehr flächendeckend möglich sein wird. Auch in den Unteren Denkmalschutzbehörden gehen nämlich die Mitarbeiterzahlen zurück. In vielen Landkreisen und kreisfreien Städten Brandenburgs arbeiten heute oft nur noch ein oder zwei Denkmalpfleger.

Nach Ansicht Detlef Kargs müsse dieser Entwicklung mit einer zu gründenden Denkmalstiftung, wie es sie in anderen Bundesländern bereits gäbe, und dem Aufbrechen der Verwaltungsbürokratie entgegengewirkt werden. Wenn die drei Landesministerien, die derzeit Mittel für die Denkmalpflege zur Verfügung stellen, den Grundstock dieser Stiftung aufbrächten, so Karg, könne es aus den Erträgen endlich schnelle und unbürokratische Hilfe für den Denkmalschutz geben. Doch die Stiftungsgründung ist derzeit nicht in Sicht.

Dennoch blicken die Denkmalpfleger auf ein erfolgreiches Jahr zurück. Sie können gar von wahren Entdeckungen wie dem barocken Bilderzyklus in der Dorfkirche des uckermärkischen Kunow oder dem Ende der zwanziger Jahre errichteten Altersheim Bethesda in Teltow berichten. Im vergangenen Jahr waren 194 Neueintragungen in die jetzt 12 611 Positionen umfassende Landesdenkmalliste zu verzeichnen. Diesen standen 23 Verluste gegenüber. Zahlreiche Bauwerke konnten saniert oder zumindest gesichert werden, darunter bereits verloren geglaubte Bauten wie die Gaststätte "Aktivist" in Eisenhüttenstadt oder das Pfarrhaus von Groß Döbbern in der Niederlausitz, das 1785 von August Heinrich von Pückler, dem Großvater des Fürsten Hermann von Pückler-Muskau erbaut worden war. Erfolgsgeschichten, denen Reihe sich mit der Klosterkirche Doberlug und der Hutfabrik Luckenwalde fortsetzen lässt. Die Sanierung dieser beiden Denkmale wurde, wie die Sicherung der Schwimmhalle des Olympischen Dorfes in Elstal, durch die Förderung aus dem Bundesprogramm zur Erhaltung von Kulturgütern mit besonderer nationaler Bedeutung ermöglicht.

Auf ihre Liste der bedrohten Bauwerke mussten die Denkmalpfleger jedoch auch diesmal wertvolle Bauten setzen. Besonders düster scheint die Lage in Himmelpfort, wo die Eigentümergemeinschaft die Ruine des bis auf die Grundmauern niedergebrannten Brauhauses des Zisterzienserklosters abreißen will, obwohl Fördermittel zur Notsicherung bereitgestellt werden konnten. Auch das Stadtbad in Brandenburg an der Havel und die Alte Kirche im Potsdamer Ortsteil Golm sowie das ehemalige Jagdschloss des ersten Preußenkönigs in Fürstenwalde sehen die Wünsdorfer akut bedroht. Ein langer Atem hat da bisher leider nicht geholfen. (Von Martin Stefke)

Märkische Allgemeine vom 22. Januar 2011

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