BORIS KRUSE

Heizung für die kalte Kirche

Lüdersdorf (moz) In der Lüdersdorfer Feldsteinkirche ist es kalt so kalt, dass das historische Gemäuer in den Wintermonaten als Veranstaltungsort nicht in Frage kommt. Ein abgetrennter, beheizter Raum kann nicht mehr genutzt werden. Der Fußboden musste wegen Schimmelbefall herausgerissen werden. Jetzt wartet die Kirchengemeinde auf eine fällige Sanierung.

 
© MOZ/Boris Kruse

Seit zwei Jahren bereits kann das Kirchenkino nicht mehr stattfinden. In der beliebten Filmreihe liefen zuvor im hinteren Teil der Lüdersdorfer Kirche regelmäßig Filmklassiker. Mal kamen mehr, mal weniger Besucher, aber einen festen Stamm von Interessenten gab es immer. Die Idee dazu wurde im Jahr 2006 im Lunower Pfarramt geboren. "Unser Problem ist, dass es wenig Anlaufpunkte gibt, an denen man sich einfach treffen und gemütlich zusammenfinden kann", sagt Pfarrer Thomas Berg. Die nächsten Kinos sind weit weg in Schwedt, Angermünde und Bad Freienwalde.

Da ist die Idee, ein kleines bisschen Kinoatmosphäre in das Dorf zu holen, in der weitläufigen Kirchengemeinde auf viele offene Ohren gestoßen. Filmprojektor und Leinwand aufgebaut, Fenster abgedunkelt fertig war das gemütliche Kino mitten in der jahrhundertealten Lüdersdorfer Feldsteinkirche. Alte Schinken wie "Casablanca" und "Der dritte Mann" hat Pfarrer Berg nach Lüdersdorf geholt, neuere Streifen wie "Schultze gets the Blues", aber auch engagierte themenbezogene Produktionen die Ökofilmtour war ebenfalls bereits zu Gast in Lüdersdorf.

Voraussetzung dafür war aber die Winterkirche, ein kompakter Glasverhau direkt unter der Orgelempore. Dieser Raum war mit Fußbodenheizung ausgestattet und ist wegen der niedrigen Decke auch an kalten Wintertagen rasch behaglich warm geworden. "Der Raum war optimal. In größeren Sälen wäre gar nicht die richtige Kino-Stimmung aufgekommen", blickt Berg zurück.

Doch dieses Kulturprogramm gehört nun der Vergangenheit an. 2008 wurde eine alte Linde vor der Kirche gefällt. In der Zeit darauf bildete sich Schwamm im hölzernen Boden der Winterkirche. Irgendwann dämmerte den Beteiligten, dass ein Zusammenhang zwischen diesen beiden Vorkommnissen besteht: Der Baum hatte zuvor mit seinen weit ausgreifenden Wurzeln große Mengen von Wasser aus dem Erdreich gezogen, das nun ungehindert durch den Steinboden in das Innere des Gebäudes eindringen kann. Der Holzfußboden, in den eine elektrische Heizungsfolie eingearbeitet war, sog sich mit Wasser voll und musste schließlich herausgerissen werden. Übrig blieben die nackten Steinfließen und ein paar herausgerissene Kabelenden, die aus den Wänden hängen.

Zahlreiche Anfragen nach einer Fortführung des Kinoprogramms hätten ihn in den vergangenen zwei Jahren erreicht, sagt Berg. "Wir brauchen dringend einen beheizbaren Raum hier", sagt der Lunower Pfarrer. Insbesondere für ältere Leute sei die kalte Kirche im Winter nicht zumutbar. Das betrifft nicht nur Kinoabende und sonstige Kulturveranstaltungen, sondern mit Taufen und Gottesdiensten auch die grundlegenden Aufgaben des Sakralbaus.

Wenn es nach Pfarrer Berg geht, dann soll noch in diesem Jahr Abhilfe geschaffen und ein neuer Fußboden verlegt werden, der unsensibel gegenüber Wasser ist. Zwischen 6000 und 7000 Euro werden die Sanierungsarbeiten ungefähr kosten, schätzt Berg. Ein Teil des Betrages fehlt noch, Berg ist aber optimistisch, dass die Summe im Laufe des Jahres zusammenkommt. "Und wenn alles klappt, dann können wir uns ab Herbst wieder zum Kinoabend treffen", muntert der Pfarrer die Dorfbewohner auf.

Die Lüdersdorfer Kirche ist nicht das einzige bauliche Sorgenkind, mit dem Pfarrer Berg sich derzeit beschäftigt. In Bölkendorf muss das Kirchendach und die Schalung des Turmes erneuert werden. Auch diese Bauvorhaben sollen noch in diesem Jahr beginnen. Im Zuge der Bauarbeiten soll der Turm auch eine neue Spitze bekommen.

Märkische Oderzeitung vom 02. Februar 2011

   Zur Artikelübersicht