Große Stütze für kleine Kirche

EHRENAMT: Der 23-jährige Lüchfelder Chris Helberg hat innerhalb von zwei Wochen die Empore der Küdower Kirche saniert

KÜDOW - Ein Zufall führte Chris Helberg in das Gotteshaus von Küdow. Kurz vor Weihnachten stand die Kirchentür offen, weil die Kirchenälteste des Ortes, Gerda Kaczmarek, gerade sauber machte. Der 23-jährige Lüchfelder zögerte keine Sekunde und schaute sich das 700 Jahre alte Gotteshaus von innen an.

Historische Gemäuer liegen dem jungen Mann seit jeher am Herzen. Was der gelernte Tischler aber in der Küdower Kirche sah, erschreckte ihn: sechseinhalb Zentimeter hing die kleine Empore, auf der 15 Kirchenbesucher Platz nehmen können, in der Mitte durch. Einige der Bretter hatten sich bereits so weit aus den Fugen herausgelöst, dass handbreite Lücken entstanden. Wegen der akuten Einsturzgefahr sperrte die Kirchengemeinde die Empore, sodass die Kirchenbesucher im unteren Raum in der Weihnachtszeit noch enger zusammenrücken: Denn nur 50 Mann passen in die kleine Dorfkirche.

Chris Helberg ließ der Zustand keine Ruhe: "Die Kirche ist ja sehr schön, und da wollte ich helfen." Deshalb bot er dem Gemeindekirchenrat Manker-Temnitztal an, die Empore zu retten. Im Januar begann er mit der Sanierung. Neben der Arbeit und der berufsbegleitenden Meisterschule fand er Zeit für die Kirche, weil ihn die Arbeit an alten Gebäuden fasziniert.

Die Ursache für das Absacken der Emporenmitte war schnell gefunden: Die Stützpfeiler standen nur auf Sand, der im Laufe der Jahre nachgegeben hatte. Der Tischler schaufelte deswegen Löcher für ein Betonfundament eine Knochenarbeit, mit der er zum Glück nicht allein blieb: Siegfried Rädiger hatte den fleißigen jungen Mann von seinem Hof gegenüber der Dorfkirche beobachtet und beschloss zu helfen: "Ein Fundament kann man eigentlich nur zu zweit legen", sagt der Kraftfahrer.

Von nun an packten die Ehrenamtler gemeinsam an. Siegfried Rädiger besorgte eine Hydraulikhebevorrichtung. Denn Chris Helberg hatte die alten Holzpfeiler übergangsweise durch Stahlstützen ersetzen müssen. Der Schaft der Holzpfeiler war durch die Feuchtigkeit stark vermodert. "Das Holz darf nur langsam verändert werden. Immerhin hatte es hunderte Jahre Zeit, sich zu senken", erklärt der Tischler. Mit Hilfe der Hydraulik ging das viel einfacher.

Jeden Tag nach der Arbeit drehte der Lüchfelder mit viel Kraft die Stützen ein bisschen hoch, um die Empore wieder in die Ursprungshöhe zu bringen. Nach zwei Wochen war es so weit und die alten Holzpfeiler standen auf neuem Fundament.

Die Arbeit in der Kirche ist damit nicht beendet, denn die Bodenbretter sind porös: Die Bohlen sind leicht wie Papier und an ihrer Unterseite zersetzt. Auch die mindestens 150 Jahre alten Kirchenbänke gammeln. "Das ist nun unser neues Projekt", sagt Ingo Wichmann vom Bauausschuss der Kirchengemeinde. (Von Lisa Kittler)

Märkische Allgemeine vom 07. Februar 2011

   Zur Artikelübersicht