DANIELA WINDOLFF

Retter der verfallenen Kirchen

Angermünde (moz) Eine der höchsten Auszeichnungen der Bundesrepublik ist am Freitag an einen Uckermärker verliehen worden, den viele kennen, obwohl er nicht viel Rummel um seine Person macht. Seine Leidenschaft für alte Kirchen und sein Geschick, Menschen zu begeistern, haben Bernd Janowski nun Ehre eingebracht.

 
Hohe Ehrung: Matthias Platzeck (r.) verleiht Bernd Janowski den Bundesverdienstorden.
© MOZ

"Ordensverleihungen bergen ein gewisses Risiko, es trifft mal diesen, mal jenen, aber manchmal, wie bei Bernd Janowski, voll ins Schwarze", sagte Ministerpräsident Matthias Platzeck, bevor er die blinkende Verdienstmedaille des Bundesverdienstordens an Bernd Janowskis schwarzes Sakko heftete.

Der lächelte verlegen angesichts so viel öffentlichen Ruhmes und von Blitzlichtern. Im Rampenlicht von Kircheneinweihungen stehen meist Sponsoren, Fördermittelgeber, Architekten und die dörflichen Fördervereine. Dabei hat der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg, den Bernd Janowski im Mai 1990 mit aus der Taufe hob in dem er sich jahrelang ehrenamtlich der Rettung verfallener und oft fast vergessener Dorfkirchen hingab und dem er seit 2002 als Geschäftsführer vorsteht oft erst den Anstoß zur Sanierung gegeben und den Leuten vor Ort Mut zum Zupacken und zu eigenen Ideen gemacht. Der Förderverein will Hilfe zur Selbsthilfe gegeben und unterstützen beim Anzapfen von Förderquellen. Oft werden auch selbst Spenden gesammelt. Vor zwei Jahren hat der Förderverein eine Stiftung gegründet. Bernd Janowski bat Matthias Platzeck gestern in Angermünde, die Schirmherrschaft zu übernehmen.

"Aus Bernd Janowskis Mund stammt der Satz: Es geht darum, den Räumen Achtung zu geben. Jetzt ist es an uns, etwas von dieser Achtung an ihn zurückzugeben", sagte Matthias Platzeck, während der Festveranstaltung im Rathaus Angermünde. Dass dieser Ort für den besonderen Augenblick gewählt wurde, freute den Wahluckermärker besonders. Bernd Janowski hat seine Wurzeln im uckermärkischen Dorf Melzow bei Warnitz geschlagen, liebt die uckermärkischen Dorfkirchen, ist mit Angermünde verbunden, weil er ausschließlich mit der Bahn zur Geschäftsstelle nach Berlin fährt, weil seine Frau Dorothea hier die Musik- und Kunstschule leitet und sich die Ideen zwischen Musikschule und Kirchenrettung oft gegenseitig befruchten. So entstand die Initiative "Musikschulen öffnen Kirchen". Konzerte in Dorfkirchen, oft als Benefizveranstaltung für die Kirchensanierung, bringen Leben in Dorfkirchen und machen Kinder und Jugendliche sensibel für eines der wertvollsten Kulturgüter Brandenburgs. "Ein Denkmal ist erst dann gerettet, wenn es auch genutzt wird. Es geht nicht nur um die Erhaltung der Gebäude, es entsteht auch ein Miteinander, um das gesellschaftliche und kulturelle Leben in den Dörfern und Städten", sagt Bernd Janowski. Und er hat maßgeblich eine Aktie daran, dass mit dem Förderkreis Alte Kirchen eine beispiellose Bürgerbewegung im Land erwachte. Menschen aller Bevölkerungsschichten besannen sich ihrer kulturellen und historischen Wurzeln. Mit der Rettung der Dorfkirchen erwachte auch ein neues Bewusstsein, eher Selbstbewusstsein.

270 Kirchenfördervereine gibt es mittlerweile in Brandenburg. Der Förderkreis ist Dachverband, gibt Starthilfe. Und die Vereine leisten oft viel mehr, als sich nur um die Rettung der Dorfkirche zu kümmern. Sie mischen sich in Kommunalpolitik ein, holen Kultur aufs Land, stiften Identität.

Als freiberuflicher Architekturfotograf lichtete Bernd Janowski schon zu DDR-Zeiten mit Vorliebe historische Bauwerke ab und schlug sich durch mit Aufträgen, mal für die Denkmalpflege, mal für das Kirchenbauamt. 1990 schien plötzlich alles möglich. Ein befreundeter Architekt machte ihn auf eine Initiative in Hessen aufmerksam, wo sich ein Förderverein um die Rettung alter Kirchen mühte. Das müsse doch auch hier möglich sein. "Allerdings hatte man in Hessen ein anderes Problem. Es war zu viel Geld da. Überall schossen moderne Gemeindezentren aus Glas und Beton aus dem Boden, während die Fachwerkkirchen verfielen", erinnert sich Bernd Janowski. In der atheistisch geprägten DDR führten wiederum die Kirchen ein Schattendasein. Zwei Weltkriege zuvor hatten ihr Übriges an Zerstörung und Verfall hinterlassen.

Der Fotograf mit dem Faible für alte Baukunst und Regionalgeschichte hatte Feuer gefangen. "Es hätten auch alte Bahnhöfe sein können", lacht Bernd Janowski. Aber es sollten Kirchen sein, Dorfkirchen vornehmlich. 1400 gibt es allein in Brandenburg, die meisten 1990 in erbärmlichem Zustand. Wer da keine Visionen hat ... Eine seiner Lieblingskirchen steht im uckermärkischen Küstrinchen. Man hatte sie aufgegeben, sie stand nicht mal mehr auf der Denkmalliste. In jedem Ziegel, in jedem Stein der geretteten Kirche steckt auch Bernd Janowskis Herzblut. "Nach der Wende erlebten die brandenburgischen Dörfer in kürzester Zeit einen atemberaubenden Strukturwandel, die Landwirtschaft ging bergab, Konsum, Kneipe, Kindergarten wurden geschlossen", erinnert er sich an die Anfänge seines Engagements. "Es wuchs ein Bedürfnis nach Heimat, auch wenn dieses Wort lange verpönt war. Man brauchte im Strudel der Veränderung etwas, woran man sich festhalten konnte. Und was verkörpert Heimat?". Die Dorfkirche, Mittelpunkt des Dorfes, räumliche und geistliche Orientierung, Zeugnis jahrhundertelanger Tradition, die Zeiten und Wandel überdauerte.

Mit der Rettung und Wiedernutzbarmachung ihrer Kirchen haben viele Menschen ein Stück Heimat zurückgewonnen. "Das Schönste an meiner Arbeit sind die Begegnungen mit den Menschen", resümiert Bernd Janowski. Der große Freundeskreis, der zu seiner Ehrung persönlich gratulierte, spricht Bände. Allen, die sich vor Ort oft leidenschaftlich engagieren, damit die Kirche im Dorf bleibt, sei dieser Orden gewidmet, sagte Bernd Janowski.

Märkische Oderzeitung vom 19. Februar 2011

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