Kopfzerbrechen in Horst

IMMOBILIEN: Die kleine Kapelle im Ort zukunftsfähig zu machen, erweist sich als schwieriges Stück Arbeit

HORST - Die kleine Kapelle in Horst (Dorfkirche des Monats Mai 2005) soll zum Tag des offenen Denkmals am 11. September für den Publikumsverkehr geöffnet werden. Darauf hat sich die Initiativgruppe Horst bei ihrem Treffen am Mittwoch geeinigt.

Allerdings ist im Inneren der Kapelle noch sehr viel zu tun, auch wenn die Hüllensanierung fast abgeschlossen ist und nächste Woche auch das Dach gedeckt werden soll. Der Fußboden ist voller Sand und müsste zudem repariert werden.

Ein weit größeres Problem ist jedoch die löcherige und sanierungsbedürftige Decke des Innenraumes von der Erneuerung der Fenster, einem neuen Anstrich und der Inneneinrichtung ganz zu schweigen. Das wichtigste Element jedoch ist eine von Johann Gottfried Schadow im Jahr 1794 geschaffene Stele. Um sie vor Schäden während der Bauarbeiten an der Kapelle zu schützen, ist sie zurzeit komplett mit Brettern eingepackt.

Arbeit über Arbeit und weil das alles bis September weder zu schaffen noch zu finanzieren ist, einigte man sich in der Runde auf eine Art Notprogramm. Demnach soll der Innenraum zumindest so weit hergerichtet werden, dass er begehbar ist. Gleichzeitig soll das Umfeld mit Blumen und einer Bank einladend gestaltet werden. Parallel ist vorgesehen, mächtig die Werbetrommel für das Kleinod im brandenburgischen Hinterland zu rühren. So sollen gemeinsam mit Heimatmaler Detlef Glöde Flyer entwickelt werden, die Touristen neugierig machen.

Das Potenzial für eine noch weiter gehende touristische Vermarktung sieht Werner Dünkel, der die kleine Kapelle bauplanerisch begleitet, auf jeden Fall. Vor allem die Stele sei ein "Schatz", der von der Kunstszene nur noch nicht entdeckt worden ist. Wenn es langfristig dann noch möglich wäre, das originale jahrhundertealte Gestühl aufzuarbeiten und wieder in die Kapelle zu bringen, könnte man laut Dünkel ein einzigartiges historisches Zeugnis wieder erlebbar machen. Zurzeit wird das Gestühl andernorts zwischengelagert. Laut Restaurator Jens Zimmermann aus Blesendorf würde allein die Komplettsanierung des Gestühls etwa 50 000 Euro kosten. Davon ging jedenfalls eine Schätzung aus dem Jahr 2007 aus.

Doch da erhob Bürgermeister Holger Kippenhahn Einspruch: "Wenn es darauf hinausläuft, hier lediglich ein Museum zu schaffen, dann werden wir keinen weiteren Euro mehr investieren." Die öffentliche Nutzung der Räume hat für ihn oberste Priorität.

Das macht die Sache kompliziert. Denn die Kapelle kann nicht einerseits als Ausstellungsraum, für Hochzeitfeiern oder Jugendprojekte dienen und andererseits als historisches Zeitzeugnis hergerichtet werden. Das wäre schon aus Platzgründen nicht möglich.

"Ich mache sehr gern Jugendarbeit, aber wie viele Jugendliche haben wir hier noch? Und wenn sie aus Nachbardörfern herkommen sollen, stellt sich die Frage nach der öffentlichen Verkehrsanbindung", sagte Pfarrer Oliver Neick. Er sieht kaum Chancen, dass eventuell Blumenthaler Kinder den Weg nach Horst auf sich nehmen würden. Und: Obwohl die Kapelle der Gemeinde gehört, sei bislang offen, ob der Raum von der Kirche entwidmet ist. Zudem seien schon die bestehenden Jugendeinrichtungen in der Umgebung eher schwach besucht. Auch müsste die Kapelle beheizt werden, wenn sie nicht nur als eine Art Museum genutzt werden soll. Das würde wiederum Herstellungs- und Betriebskosten verursachen.

Damit droht eine Zwickmühle: Nur Museum ist zu wenig, und andere Nutzungen haben auch nur vage Aussichten. Dennoch muss eine Lösung gefunden werden. Denn schließlich wurden bereits 300 000 Euro, davon 75 000 Euro Eigenmittel der Gemeinde, in das Gebäude investiert oder "Geld versenkt", wie es Gemeindevertreter Karl-Friedrich Schült formulierte. Deshalb wäre es der Gemeindevertretung und den anderen Ortsteilen gegenüber kaum zu vermitteln, warum in die Kapelle weiter Geld fließt, wenn niemand weiß wofür. "Wir stehen da schon unter einem gewissen Druck", sagte Ortsvorsteherin Bettina Teiche.

Deshalb einigte man sich zunächst auf den genannten Weg: möglichst rasch öffentlich zugänglich machen und touristisch bewerben, gleichzeitig aber weiter an der langfristigen Entwicklung arbeiten. Eberhard von Lewinski, der Besitzer des Gutes, erklärte sich bereit, für das Säubern des Fußbodens zu sorgen. Und Bettina Teiche will die Umfeldgestaltung in Gange bringen. Bürgermeister Kippenhahn beauftragte Werner Dünkel und Jens Zimmermann, sich um konkrete Leistungsverzeichnisse zu kümmern, um einen besseren Überblick über die noch zu erwartenen Kosten zu bekommen.

Das nächste Treffen der Initiativgruppe findet am 22. Juni um 14 Uhr auf den Gutshof in Horst statt.

Die Initiativgruppe sucht Fotos oder Dokumente von der Wetterfahne, die sich auf der Kapelle befand. Wer helfen kann, wird gebeten, sich beim Gut Burghof ( 03 39 84/6 06 63) oder bei der Gemeinde ( 03 39 62/6 70) zu melden. (Von Björn Wagener)

Märkische Allgemeine vom 04. März 2011

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