Das Porträt unseres stellvertretenden Vorsitzenden Dr. Hans Krag war Teil des Artikels

Das Wunder des Ehrenamtes

Hans Krag (70)

Der Kirchenretter

 
"Man tut sich selbst etwas Gutes, wenn man Gutes tut"
Foto: Andreas Pein

"Mein liebstes Gotteshaus ist zurzeit die Dorfkirche von Waltersdorf im Landkreis Teltow-Fläming. Dieser einfache Feldsteinbau aus de 15. Jahrhundert, der aber eine überaus prächtige barocke Innenausstattung hat, ist akut gefährdet durch Hausschwamm und Risse im Mauerwerk. Als stellvertretender Vorsitzender des Förderkreises Alte Kirchen Berlin-Brandenburg versuche ich, zur Rettung dieser Kirche beizutragen.

Es ist bei weitem nicht die erste Sanierung, an der ich beteiligt bin, doch es ist eine besonders schwierige. Daher ist mir diese Kirche auch so ans Herz gewachsen. Sie symbolisiert für mich die Frömmigkeit von Generationen, die wir, die wir so viel reicher sind als unsere Vorfahren, einfach nicht zerfallen lassen dürfen. Das sage ich nicht als eifriger Christ, der ich keineswegs bin, sondern als Kulturmensch.

Unser Verein gibt erst dann Geld, wenn auch die 70 Einwohner von Waltersdorf sich engagieren und einen Förderverein gründen. Noch zögern sie, und zwar nicht etwa, weil sie antichristlich wären. Sie sind eher gleichgültig oder resigniert. Nun hoffe ich auf einen Stimmungsumschwung, weil ein jüngeres Ehepaar in das überalterte Dorf zugezogen ist. Außerdem will ich im September erstmals eine Oldtimer-Rallye zu alten Kirchen im Süden Brandenburgs machen, bei der ich auch auf Teilnehmer aus dem Westen hoffe. Denn oft wird der Wert der vielen märkischen Dorfkirchen erst erkannt, wenn sich Fremde dafür interessieren. Man braucht für solche Aktionen auch einen Hingucker, und das sollen dieses Mal die Oldtimer sein.

Als ich mich vor acht Jahren im Förderkreis engagierte, war ich als Betriebswirt ein Unikum. Die meisten waren Denkmalpfleger, Historiker oder Pfarrer. Ich bin Norddeutscher, doch schon als Student habe ich oft den Osten Deutschlands bereist. Es war Theodor Fontane mit seinen "Wanderungen durch die Mark Brandenburg", der meine Neugier weckte. Diese Zuneigung zum Osten ist in achtzehn Jahren Manager-Tätigkeit in Japan, England und der Schweiz nicht etwa geringer, sie ist stärker geworden. Ich versuche, diese Zuneigung auch Menschen aus dem Westen mit einer Wanderausstellung nahezubringen. Man tut sich selbst etwas Gutes, wenn man Gutes tut. Insofern ist mein Engagement eine Mischung aus Altruismus und Egoismus."

Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 13. März 2011

   Zur Artikelübersicht