Sie erklingt wieder in den schönsten Tönen

KIRCHENMUSIK: Die Lütkemüller-Orgel ist nach 20 Jahren komplett saniert / Viele Spenden waren nötig

MARWITZ - "Zu DDR-Zeiten mussten wir auch 20 Jahre auf einen Trabi warten", lacht Klaus-Michael Schreiber. Genauso lange hat der Orgelbauer der Firma Schuke aus Werder schon mit der Marwitzer Orgel zu tun. "Das ist wirklich eine lange Zeit", sagt Schreiber, "sowohl für die Kirchengemeinde als auch für unsere Firma."

Doch schneller war das Geld für die Sanierung der Orgel nicht aufzutreiben. Immer wieder wurden Geld gesammelt und Fördermittel beantragt, um das wertvolle Instrument aus dem Jahr 1863 zu erhalten. Kirchenmusikerin Sylvia Ohse initiierte eine Konzertreihe und brachte zwei CDs heraus, um Geld für die Orgel einzuspielen. In den vergangenen zwei Jahren wurden Orgelfahrten nach Marwitz angeboten. Sylvia Ohse hat dann die Lütkemüller-Orgel erklärt und ein wenig auf dem Instrument gespielt. "Das hat auch viele Spendengelder eingebracht", sagt die Kirchenmusikerin.

Nun ist es also vollbracht. In dieser Woche reisten Klaus-Michael Schreiber und sein Kollege Peter Peterson das letzte Mal nach Marwitz, um die letzten beiden Register einzubauen.

Zweimal 54 Pfeifen müssen die beiden Orgelbauer intonieren und dann stimmen. Jede Pfeife muss Schreiber mehrmals in die Hand nehmen, bevor sie laut oder leise genug ist. Dann beginnt erst das eigentliche Stimmen in der Orgel. "Für diese Arbeit braucht man ein bisschen Ruhe", sagt Schreiber. Und die haben die beiden offenbar. Während Schreiber auf dem Gangbrett im Orgelkasten steht, zieht sein Kollege Peterson draußen ein Register nach dem anderen. Die ersten Töne sind noch nicht wirklich schön. Schreiber nimmt die jeweilige Pfeife wieder heraus und bearbeitet sie ganz vorsichtig mit einem kleinen Hämmerchen. So lange, bis der Ton stimmt und ein schöner Klang die Marwitzer Kirche erfüllt. "Es gibt keine einheitliche Linie", meint der Orgelbauer. "Jede Pfeife hat so ihre Eigenheit."

Klaus-Michael Schreiber freut sich, dass das schöne Instrument nun fertig ist. Auch Sylvia Ohse fällt ein Stein vom Herzen. Wie viel die Sanierung nun letztlich gekostet hat, vermag sie gar nicht zu sagen. "Die Sanierung der letzten beiden Register hat allein etwa 6000 Euro gekostet."

Am 3. April wird die Kirchenmusikerin zum ersten Mal das komplette Instrument im Gottesdienst zum Klingen bringen. Es ist sogar ein besonderer Gottesdienst, in dem Katherina Schwarz, die gerade für die Veltener Kirchengemeinde tätig ist, ihre Prüfung zur Vikarin ablegen wird. "Und natürlich werde ich zu unserem Gemeindefest am 7. August spielen", freut sich Sylvia Ohse schon. Bis dahin können die neuen Pfeifen noch etwas ruhen. Denn im Sommer dürfte die Luftfeuchtigkeit in der Marwitzer Kirche wieder auf 80 Prozent steigen. "Und dann wachsen die Pfeifen noch einmal." Sprich, das Holz quillt. Dann wird wohl Orgelbauer Klaus-Michael Schreiber doch noch mal nach Marwitz kommen, um die Pfeifen nachzustimmen. Aber bis zum Jahr 2013, in dem die Lütkemüller-Orgel dann 150 Jahre alt ist, wird sie wohl richtig eingespielt sein. Sylvia Ohse plant dann eine Orgel-Vesper-Reihe das gesamte Sommerhalbjahr über von Mai bis Oktober.

Und sicher kommt auf diese Weise wieder ein wenig Geld in die Spendenbüchse. Denn: "In drei, vier Jahren brauchen wir sicherlich einen neuen Orgelmotor." Ganz zu schweigen vom Gehäuse. Die Sanierung der Marwitzer Orgel ist offenbar doch eine unendliche Geschichte. (Von Andrea Kathert)

Märkische Allgemeine vom 17. März 2011

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