Proschims Orgel klingt jetzt harmonischer

PROSCHIM. Die Proschimer Heinze-Orgel ist am Sonntag erstmals nach ihrer Rekonstruktion wieder bespielt worden. Organist Arnold Rißler präsentierte auf der Königin der Instrumente verschiedene klassische Werke. Noch vor wenigen Tagen war die 83-jährige Orgel in alle Einzelteile zerlegt worden.

 
Organist Arnold Rißler spielte am Sonntag erstmals nach der Rekonstruktion auf der Proschimer Orgel.
Foto: T. Richter/trt1

"Die Fachleute haben das Instrument komplett auseinandergebaut. Schließlich musste der Blasebalg repariert und neue Membranen eingesetzt werden", erklärte Rißler. Gerade die Membranen hätten eine wichtige Aufgabe zu erfüllen, nämlich die Luft in die Orgelpfeifen zu transportieren. Davon zählt das Proschimer Instrument immerhin 436. Darüber hinaus sei die Orgel komplett gereinigt worden. "Sie klingt jetzt einfach besser", resümierte Arnold Rißler.

Diese Aussage konnte Pfarrer Christoph Schütt nur bestätigen: "Die Töne sind frischer, glanzvoller, einfach harmonischer." Rund 12 900 Euro hat die Generalüberholung gekostet. Davon entfielen 4000 Euro auf Fördermittel der Landeskirche. Den großen Rest brachte die Kirchengemeinde auf.

Die Arbeiten wurden innerhalb von gerade einmal knapp drei Wochen durch die Firma Schuke aus Werder (Havel) ausgeführt.

Wann die Proschimer Orgel, die durch die Sorauer Firma Heinze gebaut wurde, genau eingeweiht worden ist, hat Kirchenhistoriker Eckhard Tetsch bislang noch nicht herausgefunden. Zumindest verfügt er über Belege, dass der Proschimer Lehrer Paul Michelke am 1. November 1927 das örtliche Organisten- und Kantorenamt übernommen hatte. Dafür gab es ein Jahresgehalt von immerhin 600 Reichsmark.

Letzte Reparatur 1998

Die erste Orgelrekonstruktion wurde im Jahr 1949 durch eine Firma aus Frankfurt (Oder) vorgenommen. Mitte der 1970er-Jahre erfolgte der Austausch eines kompletten Registers. Im Jahr 1998 musste die Orgel erneut repariert werden.

Nach der jüngsten Maßnahme hofft Pfarrer Schütt, dass am Instrument in den kommenden 20 Jahren keine größeren Schäden auftreten werden. In fast allen Kirchen, die der Pastor betreut, befinden sich die Orgeln in einem bespielbaren Zustand. Lediglich das Instrument in der Kirche zu Greifenhain sei völlig kaputt. "Dort müsste dringend etwas getan werden", so Christoph Schütt.

Spätestens zu Ostern will der langjährige Proschimer Organist Johannes Kapelle wieder sein Instrument bespielen. Trotz gesundheitlicher Probleme ließ es sich der 74-Jährige nicht nehmen, den ersten Klängen der Heinze-Orgel nach ihrer Rekonstruktion zu lauschen. Schließlich jährt sich Kapelles erstes Proschimer Orgelspiel in diesem Jahr zum 60. Mal. "Das war am 2. Dezember 1951. Als 14-Jähriger habe ich damals Adventslieder dargeboten", erinnerte er sich noch gut.

Von Torsten Richter

Lausitzer Rundschau vom 28. März 2011

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