OLIVER VOIGT

Orgelförderverein sucht Paten

Bralitz (moz) Mit Patenschaften für 35 Pfeifen der Bralitzer Orgel soll deren Schauseite wieder ihren alten Glanz und klangvolle Akustik zurückbekommen.

 
© MOZ/Oliver Voigt
© MOZ/Oliver Voigt

Seit 120 Jahren ist sie Zeuge einer bewegten Ortsgeschichte. Ihre treuen Klänge reflektierten einst in herrlichen Sphären die optische Veredelung des eigentlichen Herzstückes der Kirche: der imposanten Orgel. Ihr Klang aber ist ermattet an der Last leidvoller Spuren der Zeit. Nun soll ihr mit Hilfe von Pfeifenpatenschaften zu neuem Glanz verholfen werden.

Die Orgel in der evangelischen Kirche in Bralitz wurde 1890 von der renommierten Firma Wilhelm Sauer aus Frankfurt (Oder) erbaut. Der sogenannte Prospekt, die Schauseite der Orgel, mit der sie sich ihrer Zuhörerschaft optisch präsentiert, bestand aus hochwertigem, silbern glänzendem Zinn. 1917 wurden diese Pfeifen zu Kriegszwecken eingezogen und später von den Gemeinden durch minderwertige Zinkpfeifen ersetzt. "Damit wurde die Orgel ihrer Schönheit beraubt und klanglich entwertet", so Anja Liske vom Orgelförderverein.

Die Kirchengemeinde Bralitz und der Orgelförderverein Insel Neuenhagen bemühen sich aufgrund des schlechten Zustandes der Mechanik und der daraus resultierenden drohenden Unspielbarkeit um die baldige Restaurierung, dass heißt um die Rückführung des Instrumentes in den baulichen und klanglichen Originalzustand. Das immer noch klangschöne, volltönende Instrument wird im Gottesdienst zwar eingesetzt, bedarf aber dringend einer umfangreichen Restaurierung, um es vor der drohenden Unspielbarkeit zu retten.

Der zuständige Orgelsachverständige der Landeskirche, Hannes Ludwig, hat sich nach der Durchsicht dreier Kostenvoranschläge für die Durchführung der notwendigen Arbeiten durch die Erbauerfirma ausgesprochen. Die Rekonstruktion der Prospektpfeifen ist mit 8625 Euro der höchste Kostenfaktor bei der Restaurierung der Orgel, für die insgesamt rund 40 000 Euro benötigt werden. Denn auch die über 650 "unsichtbaren" Innenpfeifen müssen gereinigt, überarbeitet und zum Teil neu gebaut werden ebenso wie Teile der Mechanik und des Orgelgehäuses.

"Daher wird jede Spende dringend benötigt auch kleinere Beträge sind von großem Nutzen", bittet Anja Liske um breite Unterstützung auch außerhalb der Kirchenreihen, um der Orgel nach über 90 Jahren ihr originales "Gesicht", ihre technisch einwandfreie Funktionsfähigkeit und ihren vollen Klang wiederzugeben.

Ende Februar konnten die ersten Briefe überreicht werden. Die Patenschaft für die 2,80 Meter größte Orgelpfeife hat die evangelische Frauenhilfe Bralitz übernommen. 425 Euro brachte sie dafür auf, so Susanne Flügge. Einen weiteren Partner fand der Orgel-Förderverein in der Sparkasse Märkisch-Oderland, Geschäftsstelle Am Scheunenberg. Kenny Kretschmann bekam den Patenbrief von Gerhard Grusenick.

Bislang sind 18 der 35 Prospektpfeifen vergeben. "Erfahrungen anderer Vereine zeigen, dass es etwas länger dauern kann", erklärt Anja Liske und weist daraufhin, dass mit der Fertigung der neuen Pfeifen erst begonnen werden könne, wenn alles bezahlt sei. "Würden wir den Auftrag stückweise auslösen, könnten sich die Pfeifen plattliegen." Doch gibt sie sich zuversichtlich. Denn wenn für alle Pfeifen eine Patenschaft gewonnen werden kann, bringt der Orgelförderverein bereits ein knappes Drittel der Kosten auf und hat damit eine solide Grundlage geschaffen, um bei Stiftungen vorstellig zu werden.

Neben Patenschaften sind auch "normale" Spenden möglich. Aber auch Benefizkonzerte, wie das von Eberhard Krispin in Aussicht gestellte Konzert des Lindenquintetts der Komischen Oper Berlin, oder Chorauftritte können dringend benötige Gelder einspielen.

Informationen erteilen Susanne Flügge, Telefon 033369 851 und Marga Gast 033369 76330.

Märkische Oderzeitung vom 02. April 2011

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