Vom Altar zum Geldautomaten

POTSDAM Brandenburgs Kirchen spiegeln die Geschichte des Landes. Viele Gebäude stehen unter Denkmalschutz. Sie sind zum Teil einige Jahrhunderte alt. In den meisten werden heute noch wie eh und je Gottesdienste gefeiert, doch der demografische Wandel macht sich vielerorts bemerkbar.

In vielen Gemeinden sinkt die Zahl der Mitglieder. Die Frage ist: Sind die Kirchen zu groß für weniger Menschen? Müssen neue "Mieter" oder "Mitbewohner" gesucht werden?

Der Bischof der evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Markus Dröge, betont, dass in der Region glücklicherweise erst wenige Kirchen aufgegeben werden mussten. "Es ist sehr schmerzhaft, wenn ein Gotteshaus, in dem Menschen ihre Taufe oder Konfirmation erlebten, nicht mehr als Kirchen dient." Man müsse Möglichkeiten finden, den Bestand nicht mehr benötigter Kirchen zu sichern. "Die nächste Generation soll die Chance haben, hier wieder kirchliches Leben zu erleben."

In Brandenburg gibt es etwa 2.000 evangelische Kirchen, von denen nur knapp 60 nicht kirchlich genutzt werden. In der St. Marien-Kirche in Müncheberg (Märkisch-Oderland) etwa ist unter anderem die öffentliche Bibliothek untergebracht. Die Wendische Kirche in Vetschau (Oberspreewald-Lausitz) dient der Stadt auch als Kulturzentrum. In Milow (Havelland) wiederum ist eine Sparkasse eingezogen: Dort, wo einst der Altar stand, kann man heute Geld aus dem Automaten ziehen. In Küstrinchens (Uckermark) Kirche finden inzwischen außer Gottesdiensten auch Konzerte und Dorffeste statt.

Die Katholiken haben in Brandenburg noch etwa 80 Kirchen und Kapellen. Seit 2003 wurden nach Verwaltungsangaben höchstens eine Handvoll Kapellen verkauft, die zu Wohnungen umgebaut werden. Derzeit bietet die Gemeinde Heilige Dreifaltigkeit in Brandenburg/Havel die Kirche und den Gemeindesaal St. Bernhard zum Verkauf an.

Der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg bemüht sich seit 20 Jahren um die sakralen Bauwerke. Bischof Dröge freut sich, wenn die Gotteshäuser weiter offen bleiben auch für kulturelle Veranstaltungen, da hat er keine Bedenken. Allerdings: "Noch besser ist es, wenn auch von Zeit zu Zeit wieder kirchliches Leben einzieht für einen Gottesdienst, die Taufe oder Konfirmation oder zu kirchlichen Feiertagen.

Berliner Morgenpost vom 26. April 2011

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