Niederländische Glasmalerei für Rottstock

KIRCHE: Wie vor dem Abriss gerettete Kunst ein Gotteshaus im Vorfläming schmückt

ROTTSOCK - Am vergangenen Freitag gab es in Rottstock einen außergewöhnlichen Vortrag über die Glasmalerei des 20. Jahrhunderts in der Gaststätte Haug zu hören. Referentin war Annette Jansen-Winkeln von der Forschungsstelle Glasmalerei des 20. Jahrhunderts.

Die Eheleute Jansen-Winkeln aus Mönchengladbach waren vor vielen Jahren auf der Durchreise und übernachteten in der Pension Haug in Rottstock. Dort kamen sie mit der Gastwirtin Andrea Wallbaum Haug ins Gespräch. Jansen-Winkeln wollten sich die 110 Jahre alte Dorfkirche anschauen. Vor allem Annette Jansen-Winkeln bewunderte die gut erhaltene Kirche, fand aber, dass die Fenster ein wenig eintönig sind. Vor allem das Rundfenster im Altarraum. Dieses Rundfenster war bis Mitte der siebziger Jahre mit einem bunten Ornament versehen. Das ging irgendwann entzwei und keiner von den Rottstockern konnte sich an das Motiv erinnern.

Annette Jansen-Winkeln interessierte sich nicht nur als durchreisende Touristin, sondern auch als Fachfrau. Sie erforscht seit vielen Jahren die Glasmalerei des 20. Jahrhunderts. Ihre Hauptaufgabe sieht sie darin, die alten Glasmalereien zu retten und auf die Künstler aufmerksam zu machen. In ihrem Vortrag hörten die Anwesenden, dass diese alten nicht mehr gebrauchten Kirchen einfach abgerissen werden und somit diese einzigartige Kunst verloren geht. So gab sie der Kirchenältesten Andrea Wallbaum-Haug die Hoffnung: "Wir haben da etwas für eure Kirche." Als Annette Jansen-Winkeln und ihr Ehemann bei einem weiteren Besuch Bilder mitbrachten, entschied sich der Frauenkreis von Rottstock für das Motiv "Das Opfer des Abel". So nahm die Geschichte ihren Lauf. "Die Baupflegerin des Kirchenkreises Elbe-Fläming, Heidrun Krüger, und Bettina Seyderhelm, Kunstbeauftragte der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, stimmten dem Projekt zu. "Es fehlt nur noch die denkmalrechtliche Genehmigung durch den Landkreis Potsdam Mittelmark", so Andrea Wallbaum-Haug, Kirchenälteste von Rottstock.

Nun sind die Fenster in Rottstock und warten darauf, ihren neuen Platz zu bekommen. "Das 90 Zentimeter große Bild wird auf das vorhandene Fenster aufgesetzt und befestigt", erklärte Wallbaum-Haug. Mit diesem Rundfenster sind vier weitere Fenster nach Rottstock gekommen. Gerettet wurde alles aus einem Exerzitienhaus in Roermond in Niederlande, das 1999 abgerissen wurde. Die Stiftung konnte die Glasmalereien retten. Geschaffen wurde das ganze Ensemble 1947 von dem Künstler Jacques Verheijen. "Das Opfer des Abel" war einst das zentrale Glasbild im Chorscheitel. Dieses Exerzitienhaus wurde von einem französischen Orden in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts errichtet. 1947 erhielt sie eine Kunstverglasung. "Rottstock ist eine der ersten Kirchen, die solch ein gerettetes Fenster erhält", freute sich Annette Jansen-Winkeln. (Von Silvia Zimmermann)

Märkische Allgemeine vom 09. Mai 2011

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