Klaar spendet für Orgel

BAU: St. Nikolai bekommt 100 000 Euro von der Stiftung Preußisches Kulturerbe

 
Andreas Kitschke, Experte für Kirchenbauten, mit der Neuauflage seines Kirchenführers von St. Nikolai. Im Hintergrund das schlichte Büro der neuen Kircheneintrittsstelle.
Foto: CHRISTEL KÖSTER

POTSDAM / INNENSTADT - Mit 100 000 Euro wird die Stiftung Preußisches Kulturerbe (SPKE) unter ihrem Vorsitzenden Max Klaar den Kauf einer Orgel für St. Nikolai unterstützen. Das bestätigte gestern der Geschäftsführer der Nikolaigemeinde, Joachim Uhlig, am Rande der Feier des 30-jährigen Kirchweihjubiläums. Mit der Anschaffung einer Orgel geschätzte Gesamtkosten etwa eine Million Euro könnte die letzte große Wunde in der Kirche geheilt werden. Man denke an ein gebrauchtes Instrument mit neuem Prospekt, sagte Uhlig.

Die große Sauer-Orgel von St. Nikolai war im Krieg zerstört worden, so wie fast das ganze Innere des Gotteshauses. "Es war nach menschlichem Ermessen unmöglich, dass hier wieder eine funktionierende Kirche steht", erinnerte sich die Ehrenälteste Marie-Luise Strohbusch an die Zeit des "Asyls" der Nikolaigemeinde im Nikolaisaal. Erst dank sechs Millionen D-Mark aus der Bundesrepublik vermittelt auch durch den damaligen Konsistorialpräsidenten Manfred Stolpe konnte der Kirchenraum ab 1978 instandgesetzt werden. Am 2. Mai 1981 fand das Kirchweihfest statt. Vorausgegangen war ein zähes Ringen um Handwerker, wie sich der damalige Nikolaipfarrer Wolfgang Hering launig erinnerte: "Handwerkern musste man ja beim Händeschütteln immer Forum-Schecks in die Hand drücken. Daraufhin sagten sie dann gnädig: ,Forum geht es denn?" Mit diesem Scherz hatte er die Lacher auf seiner Seite. Auf Herings Konto ging seinerzeit die Einrichtung von Büros unterhalb der Seitenemporen. In einem dieser kleinen Räume wurde gestern die erste Kircheneintrittsstelle Brandenburgs eröffnet. Statt wundersamer Bekehrungen gab es allerdings nur freudige Worte von Generalsuperintendentin Heilgard Asmus, Superintendent Joachim Zehner und Nikolaipfarrerin Susanne Weichenhan. Vor Gästen wie Bürgermeister Burkhard Exner und Ex-Generalsuperintendent Hans-Ulrich Schulz wurde der symbolische Schlüssel gedreht. Geöffnet ist die Eintrittsstelle im Wechsel betreut von acht Pfarrern im Ruhestand mittwochs von 15 bis 18 Uhr. Wobei es statt "Eintrittsstelle" korrekt "Wiedereintrittsstelle" heißen müsste. Ungetaufte müssen zunächst Vorbereitungskurse besuchen. Somit richtet sich das Angebot an all jene, die aus der Kirche ausgetreten sind. Der Wiedereintritt, heißt es, könne bei einem Gespräch sofort vollzogen werden. Nachsatz: "Wenn die notwendigen Unterlagen Personalausweis, Taufbescheinigung, gegebenenfalls Konfirmationsurkunde und Austrittsbescheinigung vorhanden sind." Fragt sich nur, wie viele Potsdam-Touristen zufällig ihre Taufurkunde im Rucksack mit sich führen.

Großes Interesse fand gestern die Präsentation der Neuauflage des St. Nikolai-Führers von Kirchenexperte Andreas Kitschke. Das Büchlein Preis: 3,50 Euro enthält auch neues Bildmaterial wie die Schinkelschen Entwürfe für die Apsis-Ausmalung. (Von Ildiko Röd)

Märkische Allgemeine vom 09. Mai 2011

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