Neue Regel gefährdet Turmsanierung

BAUEN: Geänderte Förderrichtlinie der Landeskirche droht Projekt in Schäpe in Frage zu stellen

SCHÄPE - Die geplante Dachsanierung auf dem Kirchturm in Schäpe droht sich erheblich zu verzögern. Das Dach des Turmes ist derart marode, dass die Bauämter der Stadt Beelitz und der zuständigen Kirchenverwaltung ein Absperrband um das Bauwerk ziehen mussten, um Kirchhofbesucher vor herabfallenden Schindeln zu bewahren. Für den Erhalt des Turmes setzt sich der Förderverein Schinkel-Kirche Schäpe ein (MAZ berichtete).

Auf bis zu 81 000 Euro hat das Beelitzer Ingenieurbüro Götz & Ilsemann die derzeitigen Kosten für die Dachreparatur geschätzt. Nachdem die Stadtverwaltung Beelitz bereits 12 000 Euro aus einem Förderprogramm bereitgestellt hatte, gab sie noch einmal 2000 Euro dazu. Die evangelische Landeskirche Berlin-Brandenburg hatte rund 27 000 Euro für das Projekt in Aussicht gestellt. Bis auf etwa 5000 Euro hatte der Förderverein das notwendige Geld schon zusammen. Dieser Rest sollte unter anderem mit Erlösen aus einem Gospelkonzert am 18. Juni in der Schäper Kirche sowie aus Spenden eingeworben werden. Ende April/Anfang Mai hätte die Sanierung mit dem Abriss des alten Daches beginnen sollen. Dafür soll ein Spezialkran eingesetzt werden, da die Arbeit für einen Dachdecker wegen des maroden Bauzustandes zu gefährlich ist.

Doch die Landeskirche hat ihre Förderrichtlinie geändert und die in Aussicht gestellten finanziellen Mittel zurückgezogen. Jetzt soll sich der Gemeindekirchenrat in Schäpe über den Kreiskirchenrat Beelitz-Treuenbrietzen erneut um die finanzielle Unterstützung bewerben. Dabei stehen die Chancen für einen Zuschuss allerdings eher schlecht, befürchtet Axel Grüsner vom Förderverein Schinkel-Kirche Schäpe. Aus den Anträgen aller Kreiskirchenräte will die Landeskirche künftig nur noch jährlich ein Projekt auswählen, das unterstützt werden soll. Dass Schäpe in dieser Auswahlrunde die Nummer eins wird, kann sich Grüsner nur schwer vorstellen.

Selbst wenn sich der Schäper Gemeindekirchenrat für 2012 bewirbt und der Kirchturm zum Förderobjekt des Jahres gekürt wird, steht das Geld wohl erst 2013 bereit, und die Sanierung könnte erst 2014 beginnen, rechnet Grüsner vor. Bis dahin werden jeweils zwei Regen- und zwei Winterperioden dem Bauwerk weiter zusetzen, so dass sich die Sanierungskosten noch erhöhen könnten.

Ungeachtet dessen wirbt der Förderverein auch weiter um finanzielle Unterstützung für die Sanierung des Kirchturms und setzt bei den zahlreichen Besuchern, die jetzt in der Spargelzeit ins Dorf kommen, auf Spendenfreudigkeit. Informationsmaterial über die Kirche hat er an den Ständen auf dem Spargelhof von Josef Jakobs ausgelegt. Dort informiert auch ein großes Plakat über die Modernisierungsabsicht des Vereins. Über die Pläne zur Sanierung der Kirche können sich Besucher am und im Objekt selbst informieren. Eine Ausstellung über die Geschichte der Schäper Dorfkirche sowie ein zweites Konzert am Jahresende sollen auch zu Spenden animieren.

Die Schäper Dorfkirche hatten die damaligen Dorfbewohner 1827 selbst erbaut. Das Material hatte seinerzeit die Preußische Oberbaudeputation bereitgestellt. Aus Geldmangel mussten sie auf einen Turm zunächst verzichten. Er wurde erst 1864 erbaut.

Die Kosten für eine Gesamtsanierung des Gotteshauses beziffert das Ingenieurbüro Götz & Ilsemann nach derzeitigen Schätzungen auf etwa 330 000 Euro. (Von Heinz Helwig)

Märkische Allgemeine vom 10. Mai 2011

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