Rettung für Barockkirche in Sicht

Groß Schönebeck (moz) Das Dach, die Fassade, der Schwamm, feuchtes und loses Mauerwerk am Fuße des Gotteshauses wie so viele Dorfkirchen in Brandenburg ist auch die Groß Schönebecker Immanuelkirche vom Verfall bedroht. Die Rettung des Barockbauwerks ist immerhin denkbar.

 
700-jährige Geschichte: Der Turm soll noch vom Vorgängerbau der Kirche aus dem 14. Jahrhundert stammen.
© MOZ

Dass den Ziegeln und Feldsteinen kaum noch Putz anhaftet, ist auf den ersten Blick zu erkennen. Und nicht nur Kundige bemerken beim zweiten Hinsehen, wie sich die Feuchtigkeit von außen an den Mauern hocharbeitet. Doch wie es tatsächlich um die Kirche bestellt ist, wusste in Groß Schönebeck lange niemand. Vor allem der Schwammbefall aus früheren Jahrzehnten bedroht das barocke Bauwerk von 1673.

Als der frühere Babelsberger Pfarrer Stephan Flade im Februar vor einem Jahr seinen Dienst in dem Schorfheider Dorf antrat, sah er sich auch das ihm anvertraute Gebäude näher an. "Ich bin in Bereiche des Daches und des Turmes hineingeklettert", sagt Flade. Schon bald habe er die Denkmalpflege herangeholt. "Es war sofort klar, was da an Messen gesungen ist."

Der Innenraum der Kirche ist gut erhalten. Das Äußere geriet schlicht in Vergessenheit. Bis sich der Hausschwamm zeigt, sei ein Prozess von 20 bis 30 Jahren nötig. "Und den setze ich zwischen den beiden Weltkriegen an", so Flade. Nicht nur der Pfarrer macht die Brennpunkte beim Verfallsprozess am Schwamm fest. Doch auch jetzt, wo ein Gutachten vorliegt, lässt sich kaum sagen, wie sehr der Pilz vom Holz Besitz ergriffen hatte. "Es ist wie für einen Arzt, der die Diagnose stellen muss, wenn schon eine gewisse Heilung eingetreten ist", sagt die Potsdamer Architektin Sybille Stich. Weil die Dachkonstruktion in den 80er Jahren gesichert wurde, sind die ursprünglichen Befunde nicht mehr zu sehen. "Nach dem, was wir vorgefunden haben, müssen alle Balkenköpfe befallen gewesen sein."

Klar ist für Stich, die zuletzt die Restaurierung der Zehdenicker Kirche betreut hat, in jedem Fall: "Die Kirche reiht sich nahtlos in alle barocken Kirchen ein so, dass wirklich etwas gemacht werden muss. Auch konstruktiv, um die Standsicherheit wiederherzustellen." Denn die Balkenköpfe wurden entfernt, sämtliche Dachsparren und Deckenbalken zu DDR-Zeiten mit Latten und Nägeln verbunden. "Ordentlich gemacht" urteilt die Architektin. Für ein neues Dach muss aber eine andere Lösung her. Dringend steht Stich zufolge auch der Austausch des Mauerwerks im Sockelbereich an. "Damit die Feuchtigkeit nicht ins Innere einfallen kann." Und um überhaupt sanieren zu können, muss der Dachstuhl zunächst dekontaminiert werden. Mehrfach sei das damals gängige, aber extrem belastende Holzschutzmittel Hylotox aufgesprüht worden.

"Wir kommen an die 500 000 Euro-Grenze, wenn man die Gesamtsumme nennt", sagt Pfarrer Stephan Flade. Die einzige Möglichkeit, das Vorhaben zu finanzieren, sieht Flade im ILE-Programm. Einen Eigenanteil von 60 000 Euro könne die Kirchgemeinde bereitstellen.

Dass Flade auch sonst auf Unterstützung zählen kann, zeigte sich in der vergangenen Woche bei einem Treffen im Gemeindehaus, wo Architektin Stich über den Zustand der Kirche vor Publikum berichtete. Bernd Mehlitz vom Bürgerverein beispielsweise arbeitet bereits am Nutzungskonzept. Er sei mit dem Kunstverein Beeskow im Gespräch. "Die Beeskower würden uns mit der DDR-Kunst in ihren Ausstellungsturnus mit hineinnehmen", stellte Mehlitz in Aussicht. Hilfe, wenn auch nicht finanzieller Art, sei zudem von seiten der Kommune zu erwarten, sagt Flade. Auch Landesamt für Denkmalpflege habe bereits die überregionale Bedeutung der Immanuelkirche bestätigt, betont der Groß Schönebecker Pfarrer.

"Es scheint nicht unmöglich und das ist schon mal erfreulich", schlussfolgert er für die Rettung des Gotteshauses. Frühestens im Laufe des kommenden Jahres, "vermutlich eher 2013" kann es damit losgehen, schätzt Stephan Flade.

Märkische Oderzeitung vom 12. Mai 2011

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