Heilige Anna voll innerer Werte

KIRCHE: Wertvolle Schnitzereien in Löwenbrucher Gotteshaus

LÖWENBRUCH - Obwohl die evangelische Kirche St. Anna in Löwenbruch dicht an der Hauptstraße steht, schmuck saniert ist und man sie beim Vorbeifahren fast berührt, wirkt sie eher unauffällig. Der holzbekränzte Turm stammt noch von einem Vorgängerbau, das heutige Gotteshaus wurde 1716 fertig gestellt. Tritt man in das Gebäude, ist man von der Mächtigkeit des Kanzelaltars (1719) überwältigt. Das dominierende Stück weist wertvolle Schnitzereien der vier Evangelisten Lukas, Matthäus, Markus und Johannes sowie von Luther auf und wurde während der jüngsten Sanierung denkmalgerecht mit früheren Farben wieder ausgemalt. Ebenso das originale Holzgestühl, dessen Reihen verschließbare Türen haben und eine Heizung als Tribut an die Neuzeit. Links des Altars hängt, holzgeschnitzt, die Namenspatronin, die Heilige Anna, Mutter Marias. Sie hält ihre Tochter auf dem rechten, ihren Enkel Jesus auf dem linken Arm: Anna selbdritt nennt man dieDarstellung. Von Alter und Wurmstich würdig gezeichnete Holzskulpturen eines sitzenden Bischofs und eines Papstes sind ebenso sehenswert wie die Holztaufe mit Deckel, der mit einem Seilzug durch eine als Fegefeuer gemalte Öffnung in der Decke bewegt werden kann. Die Herrschaftsloge hat einen separaten Seitenzugang und die Dreiseitenempore lässt ahnen, dass einst viele Besucher zu Gottesdiensten kamen. Das gibt es heute nur noch zu Weihnachten, wo zwischen 80 und 100 Menschen der Christvesper folgen. Ansonsten stehen Pastor und Kantorin oft buchstäblich vor den "drei Hanseln". Fast zwei Jahre hat Löwenbruch keinen "eigenen" Pfarrer mehr. Seit der letzte, hoch gelobte, Burkhardt Petzold, aus gesundheitlichen Gründen ging, ist Bernd Schewe aus Ludwigsfelde der Vakanzvertreter. Seine Gemeinden sind Ludwigsfelde und Kerzendorf. Im Sprengel Löwenbruch, zu dem auch die Kirchengemeinden Wietstock, Genshagen und Groß Schulzendorf gehören, erledigt er vornehmlich Amtshandlungen und Verwaltung. Zu mehr reichen Zeit und Kraft nicht, sagt er. So blieb einiges, was der umtriebige Vorgänger ins Leben rief, auf der Strecke.

Von den 270 Einwohnern sind 80 Mitglieder der Kirchengemeinde, die eine selbstständige ist. Vier Gemeindeälteste vertreten die Interessen der Löwenbrucher, wenn gemeinsam mit den anderen Ältesten des Sprengels alle viertel Jahr getagt wird. Man trifft sich im Gemeindehaus, das ordentlich Platz bietet. Die räumlichen Voraussetzungen wären hier für vieles interessant. Im nebenstehenden Pfarrhaus wird noch eine Dienstwohnung vorgehalten, Gemeindeglieder hoffen, dass wieder ein fester Hirte dort einzieht. Christenlehre und Konfirmandenunterricht findet in Ludwigsfelde statt doch momentan gibt es gar keinen Löwenbrucher Bedarf, die Jungen müssen erst "nachwachsen". So wundert es nicht, dass das Krippenspiel zu Weihnachten von Erwachsenen als Lesespiel gestaltet wird. Ein aktiver Abendkreis macht es möglich. Einmal im Monat treffen sich dazu ein Dutzend Interessierter, auch Nichtchristen. Sie sind dabei, wenn Arbeiten in der Kirche anliegen, das Dorf eine Erntekrone braucht oder Kuchen zum Gemeindefest. Die drei wichtigsten Schlüssel des Ortes hütet Dietrich Ulrich: die der Kirche, Kneipe und Feuerwehr. (Von Andrea von Fournier)

Märkische Allgemeine vom 19. Mai 2011

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