Zentnerschweres Puzzle

DENKMALE: Schönbergs Dorfkirche ist zu einer großen Baustelle geworden und das noch bis weit ins nächste Jahr hinein

SCHÖNBERG - Es ist wie ein gigantisches, dreidimensionales Puzzle nur dass der Zimmermann Raimar Müller und der Maurer René Werner sich die Puzzleteile selbst passend machen müssen. Und dass ein einzelnes Puzzleteil mal schnell drei Zentner wiegen kann.René Werner umfasst den 150 Kilogramm schweren Balken mit beiden Armen und drückt ihn in die Höhe. Auf dem Gerüst ein paar Meter über ihm drückt der Zimmermann die Öffnungen des Balkens gegen die dafür vorgesehenen Zapfen der Fachwerks. Millimeterarbeit mit einem Baumstamm im Arm, der mehr wiegt als man selbst.

Nicht viel anders als vor 322 Jahren, als die Schönberger Dorfkirche erbaut wurde, gehen die Männer von der Müncheberger Baugesellschaft heute an die Aufgabe, das Fachwerk an der Vorderseite des Kirchturms auszubessern. Maschinen kommen kaum zum Einsatz gearbeitet wird mit Muskelkraft, Holzkeilen, Vorschlaghammer, Klopfholz, Stemmeisen und manchmal auch mit einem Wagenheber.

Die Firma aus dem Landkreis Märkisch Oderland ist spezialisiert auf alte Gebäude. Ein Abo fürs Fitnessstudio braucht René Werner bei dieser Arbeit nicht, "und ich kann abends auch immer gut einschlafen", sagt er und lacht.

Ein paar Monate werden die beiden mit dem Fachwerk des Kirchturms zu tun haben. Bis In den September hinein haben sie Zeit. Viele Balken sind morsch, seit die Konstruktion vor mehr als 20 Jahren zuletzt gesichert wurde. Wenn die neuen Balken eingebaut sind, werden auch die Gefache wieder ausgemauert.

Parallel zu den Zimmerleuten und Maurern waren auch schon die Dachdecker aus Treskow am Werk: Sie haben bereits das gesamte Kirchenschiff abgedeckt und mit Planen gesichert.

Nun aber stocken die Bauarbeiten am Dach. Der Landesdenkmalbehörde hätten die vorgesehenen Ziegel nicht gefallen, sagt Pfarrer Ulrich Baller. Bis das geklärt ist, haben die Dachdecker erst einmal Pause.

Bis auf die Haube des Kirchturms soll in diesem Jahr im ersten Bauabschnitt das gesamte Dach des Kirchenschiffs neu gedeckt werden (die MAZ berichtete).

2012 geht es dann mit dem zweiten Bauabschnitt weiter. Dann ist das gesamte Kirchenschiff dran: Auch dort werden verfaulte Fachwerkbalken ausgetauscht. Bisher wurde aber in Schönberg anders als in Keller noch kein Schwamm entdeckt.

Wenn es dabei bleibt, geht Ulrich Baller von rund 240 000 Euro Gesamtkosten für die Kirchensanierung aus. Davon entfallen rund 100 000 Euro auf den ersten Bauabschnitt.

Vom Land Brandenburg gibt es 43 000 Euro Fördermittel dazu gemäß dem Staatskirchenvertrag. Weitere je 20 000 Euro stellen der Kirchenkreis und die Landeskirche Berlin dem Pfarrsprengel Herzberg zur Verfügung. 17 000 Euro trägt die Kirchengemeinde in Schönberg selbst aus ihrer Vermögensrücklage. (Von Christian Kranz)

Märkische Allgemeine vom 19. Mai 2011

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