Stumme Orgel klingt wieder

Schmargendorf (moz) Ein Meisterstück der Orgelbaukunst geht am Sonntag wieder in Betrieb: Die Schmargendorfer Remler-Orgel. Nach einer kompletten Sanierung wird der Originalklang erstmals seit rund 20 Jahren wieder zu hören sein.

 
© Christina Schmidt

Andreas Mähnert ist seit über 30 Jahren Orgelbauer mit eigener Werkstatt in Eberswalde. Er hat viele Orgeln gesehen, unzählige Pfeifen gereinigt und ausgetauscht. Doch die Schmargendorfer Orgel, in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts von Wilhelm Remler erbaut, ist "etwas ganz Besonderes. Sie ist vollständig im Original erhalten und daher sehr wertvoll", schwärmt der Orgelbauer. Die begehrten Prospektpfeifen, die im Zuge des 1. Weltkrieges häufig für Munition eingeschmolzen wurden in Schmargendorf sind sie alle erhalten.

Insgesamt fast 500 Pfeifen sorgen für den Klang der Orgel. Alle die kleinste ist nur fünf Zentimeter, die größte 2,40 Meter groß mussten gereinigt und durchgepustet werden. Außerdem wurde der Orgelmotor in das Gehäuse verlegt, der Winddruck erhöht und das Holz überprüft. "Von Wurmbefall keine Spur." Der Zustand der Orgel insgesamt: "Für das Alter phantastisch", lautet das Urteil des Experten.

Stolz sind auch Pfarrer Andreas Lorenz, Ortsbürgermeister Wilfried Mercier und Günter Rüsch vom Uckermärkischen Landverein, die mit der Orgelsanierung ihre erfolgreiche Zusammenarbeit fortsetzen. Als ein satter Ton die Kirche erfüllt, sieht man ihnen die Erleichterung förmlich an. Siehe da, der Orgel geht die Luft nicht mehr aus. Als Pfarrer Andreas Lorenz 1995 seinen Dienst in Schmargendorf antrat, war das noch ganz anders. "Die Orgel war verstimmt, verschmutzt, weil jahrelang nicht regelmäßig auf ihr gespielt wurde", erinnert er sich. "Man hielt bei Konzerten immer die Luft an, weil man befürchtete, die Orgel würde aussetzen", kann sich auch Günter Rüsch entsinnen. Der Aufwand, die Orgel zu sanieren, wurde damals zwar als nicht so groß eingeschätzt, aber "die Kirche war total marode und es war klar, dass wir das zuerst angehen müssen."

Kirchensanierung und das elektrische Glockengeläut wurden in den letzten Jahren in die Tat umgesetzt. "Mit der Hilfe von vielen Schmargendorfern, die gespendet haben", unterstreicht Wilfried Mercier. Dass es bereits seit 1995 eine enge Zusammenarbeit mit der Kirche gebe, das Gotteshaus nicht nur für konfessionell gebundene Einwohner, sondern für die gesamte Dorfbevölkerung ein Veranstaltungsort, "der Dorfmittelpunkt", ist, sei entscheidend für die Entwicklung von Kirche und ganz Schmargendorf.

So war auch die immerhin 9000 Euro teure Orgelsanierung ein Gemeinschaftswerk. 3000 Euro stellte die Kirche zur Verfügung, 2600 Euro wurden von der Sparkasse Uckermark bereitgestellt, alles andere kam durch Spenden und Benefizveranstaltungen zusammen. Als Dank erklang die Orgel auf den bereits überarbeiteten Pfeifen bereits schon zu Weihnachten und an Ostern. Obwohl die Bauarbeiten noch liefen. Am Sonntag wird dann erstmals das volle Klangbild zu hören sein.

Kurz vor dem Einweihungskonzert gab es am letzten Freitag dann noch einmal Aufregung. Der Blitz schlug in den Kirchturm ein, die Sicherungen des Hausanschlusses sind geschmolzen, ein Steuerungsteil für das elektrische Geläut ist auch dahin die Orgel aber blieb unversehrt. "Der Schrecken steckt uns noch in den Gliedern", sagt der Pfarrer. Das Glockengeläut soll bis Sonntag wieder in Betrieb sein. Rechtzeitig zum Konzert, bei dem Kantor Dieter Glös neben vier weiteren Orgelspielern sein Können präsentiert. Einen Probelauf haben die Protagonisten an den Tasten übrigens schon absolviert und der Orgel einen sehr guten Klang bescheinigt.

Konzert am Sonntag um 14 Uhr. Der Frauenchor Schmargendorf singt, im Anschluss ist eine gemütliche Kaffeerunde geplant.

Märkische Oderzeitung vom 26. Mai 2011

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