Niendorfer Kirche soll dem Dorf erhalten bleiben

NIENDORF Die Konstellation ist ungewöhnlich. In Niendorf gehört die Kirche nicht der Kirche sondern ist Eigentum der Gemeinde. Das Gebäude ist sanierungsbedürftig und die Übergabe in Kircheneigentum erweist sich als schwierig. Wie es mit der Kirche weitergehen soll war Gegenstand einer Bürgerversammlung, die Werner Schröder (parteilos), Bürgermeister der Gemeinde Ihlow, deren Ortsteil Niendorf ist, einberufen hatte.

 
Bürgermeister Werner Schröder und Dahmes Pfarrer Carsten Rostalsky (v.l.) erläuterten den Niendorfern die Situation aus kommunaler und kirchlicher Sicht.
Foto: Keilbach/bkh

"Wir wollen jetzt wissen, was die Niendorfer mit ihrer Kirche in der Zukunft machen wollen, um die rechtliche Situation zu klären. Soll die Kirche Gemeindeeigentum bleiben oder an die Kirche übertragen werden?", erläuterte Werner Schröder das Anliegen der Bürgerversammlung. Bisher seien alle davon ausgegangen, dass die Kirche in Niendorf auch Eigentum der Kirche ist. "Doch als wir den Gehweg zur Leichenhalle neu gemacht haben, stellte sich heraus, die Kommune ist auch Eigentümer des Kirchengebäudes", sagte der Bürgermeister.

Nirgendwo in den Kirchenbüchern sei ein Vermerk auf das im Jahr 1908 fertiggestellte Gebäude zu finden gewesen. Auch eine Nachfrage beim zuständigen Verwaltungsamt (Konsistorium) der evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz sei ergebnislos geblieben, so Werner Schröder. Für eine Sanierung habe die Kommune kein Geld. "Irgendwann müssen wir hier zuschließen."

Auch die Kirche habe die Finanzen nicht, legte Pfarrer Carsten Rostalsky dar. In der Landeskirche seien rund 150 Kirchen sanierungsbedürftig, viele davon in noch schlechterem Zustand als die Niendorfer. "Es steht die Frage: Welchen Wert hat die Kirche und wie wird sie genutzt?"

Förderverein könnte helfen

Die Gottesdienste allein seien zu wenig. Zudem sei nicht klar, wie lange diese überhaupt noch in Niendorf stattfinden. Von den 108 Einwohnern zählten 40 zur Kirchengemeinde. Carsten Rostalsky regte an, einen Förderverein für den Erhalt der Kirche zu gründen wie die Bollensdorfer und Heinsdorfer. Es sollte eine Nutzung angestrebt werden, die über die Gottesdienste hinaus geht, orientierte der Pfarrer.

Aus den Reihen der 20 überwiegend schweigsamen Niendorfer meldete sich Rainer Strelow zu Wort. "Wir sollten die Sanierung über das Dorferneuerungs- oder Leader-Programm mit Fördermitteln in Angriff nehmen. Heute ist die Kirche noch mit weniger Geld zu retten als in 20 oder 50 Jahren", schlug er vor. Die Kommune könne als Eigentümer eine 80-prozentige Förderung aus Töpfen der Europäischen Union beantragen. "Die restlichen 20 Prozent können wir in der Region akquirieren", zeigte er sich überzeugt.

Nutzung muss geklärt werden

Dann müsse jedoch schon im Vorfeld geklärt sein, wofür die Kirche künftig genutzt werden soll. "Das Konzept muss bei der Antragstellung vorliegen", wies Christina Denkel, Bauamtsleiterin im Amt Dahme hin. Sie werde sich bei der lokalen Aktionsgruppe für Leader-plus nach Bedingungen und Fördermöglichkeiten erkundigen, sicherte sie zu. "Dennoch muss es künftig eine Vereinbarung über die Nutzung des Gebäudes mit der Kirchenverwaltung geben", ergänzte sie.

Der Gemeindekirchenrat und die Niendorfer Einwohner seien jetzt aufgerufen, sich über das künftige Leben in der Kirche konkrete Gedanken zu machen, unterstrich Karola Lüderitz vom Verwaltungsamt der EKBO in Berlin. "Ich nehme mit, dass die Kirche in der Kirche bleiben soll. Dafür ist aber auch das Engagement der Menschen im Ort wesentlich", resümierte sie.

Birgit Keilbach/bkh

Lausitzer Rundschau vom 28. Mai 2011

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