Offener Blick bis in die Apsis

BAUEN: Woltersdorfer Kirche erhält einen Veranstaltungsraum mit transparenter Glas-Stahl-Konstruktion

WOLTERSDORF - "Es ist zum Glück nicht der Hausschwamm, sondern der Trotzkopf", gibt Hartwig Timpe Entwarnung, nachdem sich der Holzbauexperte die schadhafte Stelle in der Ecknische auf der Westseite unter der Orgelempore angeguckt hat. Architektin Heidrun Fleege, Mitarbeiterin Natalia Vodolazska und Lobau-Chefin Uta Lenz nehmen beim Baurapport die gute Nachricht des Lütter Fachbetriebs erleichtert auf. Andernfalls wären umfangreichere Sanierungsarbeiten notwendig gewesen. Der Trotzkopf ist ein tierischer Holzschädling. Das von ihm zerstörte Holz müsse nur ergänzt werden. An der Empore-Brüstung hatte sich der Hausbock zu schaffen gemacht. "Ein alter Befall", sagt Timpe. "Es reicht, das vermulmte Holz abzubeilen und abzubürsten."

Mitte des Monats sind die Arbeiten zur Schaffung eines Versammlungs- und Veranstaltungraumes in der Woltersdorfer Kirche angelaufen. Aus dem Topf der Integrierten ländlichen Entwicklung sind dafür 102 000 Euro bewilligt worden, die Gemeinde Bensdorf als Bauherrin steuert weitere 64 000 Euro bei. Voraussetzung für diese Förderung war eine Nutzungsvereinbarung mit der Evangelischen Kirchengemeinde. Danach soll das Gotteshaus sowohl für kirchliche als auch für weltliche Veranstaltungen genutzt werden. In den vergangenen Jahren waren Turm und Hülle der 1826 errichteten Kirche saniert worden. Zu DDR-Zeiten bewahrten sie Bürger vor dem Verfall.

Bis Spätherbst läuft der letzte Bauabschnitt. Mit Ausnahme der Fliesenleger sind die anderen sechs Gewerke inzwischen vergeben. Die Lobau Sanierungs GmbH aus Rogäsen, die den Anfang macht, hat zwei Lose Rohbau und Putzarbeiten. Die alte 8,50 Meter lange Holztrennwand unter der Empore ist abgerissen. Abgebaut sind die vier Holzstützen, die eingelagert werden sollen. Im Kirchenschiff ist der durch Feuchte geschädigte und lose Sockelputz abgeschlagen. Unter der Orgelempore wurde der alten Fußboden entfernt. Die Fläche hat die Archäologische Projektbegleitung Dinter aus Wildau in einer Tiefe bis 30 Zentimeter untersucht. Ans Tageslicht kamen Knochen und Schädelsplitter, die aufgrund von Bauarbeiten offenbar mehrfach umgelagert wurden, eine Grabgrube, ein Stück Tonpfeifenstiel und eine Glasmarke von 1816. "Bisher nichts Spektakuläres", erklärte Archäologe Michael Walter gestern. Außerdem weise eine gefundene Brandschicht auf die Vorgängerkirche hin.

Im Bereich der einstigen Winterkirche wird ein etwa 30 Quadratmeter großer, beheizbarer Raum geschaffen. "Da er etwas weiter ins Schiff hineingeht als bisher, ist es erforderlich, die Decke über der Empore zu verlängern und die Holzbrüstung zu versetzen", erklärt Heidrun Fleege. Eine transparente Stahl-Glas-Wand, die von der Brandenburger Metallbaufirma Müller gefertigt wird, soll den offenen Blick ins Längsschiff ermöglichen vom Turmeingang bis in die Apsis. Das Kircheninnere erhält die Farbfassung von etwa 1905. Die restauratorischen Untersuchungen oblagen Jutta Brumme aus Brandenburg. Der Orgelprospekt wird durch die vorgestellte Stahl-Glas-Konstruktion sichtbar gemacht. Das 1872 von August Wäldner gebaute Instrument ist ausgebaut und befindet sich in der Werkstatt von Orgelbaumeister Jörg Stegmüller. Die Kosten für die Instandsetzung trägt die Kirchengemeinde.

Während der Bauphase finden die Gottesdienste im Dorfgemeinschaftshaus Woltersdorf statt. Der nächste Pfingstsonntag ab 9 Uhr. Am 26. Juni um 14.30 Uhr ist Familiengottesdienst. (Von Claudia Nack)

Märkische Allgemeine vom 31. Mai 2011

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