Blick in die Vergangenheit

SANIERUNG: Turmzier der Kirche Schlenzer zu Boden gelassen / Dokumente geborgen

SCHLENZER - An einem Seil wurde gestern Vormittag das Behältnis von der Turmspitze zu Boden gelassen. Pfarrer Joachim Boelke nahm es in Empfang. Mit Spannung wurde der Inhalt der darin enthaltenen Schatulle erwartet. Das Plastikrohr enthielt historische Dokumente vom 31. Mai 1954, die über die damalige Restaurierung des Kirchturmes Auskunft geben.

Joachim Boelke verlas einen Brief, der vom damaligen Pfarrer Paul Toaspern und außerdem von Willi Rändel, Martha Banis und Herrn Bergemann unterzeichnet sowie mit einem Siegel der Gemeinde versehen ist. In dem Brief wird auf die vorhergehende Sanierung der Kirche im Jahre 1929 hingewiesen. Ausführlich werden jedoch die politischen Verhältnisse im Jahr 1954 geschildert. Darin heißt es unter anderem: "…unser deutsches Vaterland ist in zwei Teile zerrissen", "…Frauen vermissen noch immer ihre Männer", "…es gab Enteignungen und Vertreibungen, viele durften nicht mehr auf ihre Höfe zurück, die russischen Besatzungstruppen haben die Oberhand."

Die Anwesenden nahmen die Worte betroffen zur Kenntnis. Einige erinnerten sich noch an diese Zeit. So wie Dorothea Paysan aus Berlin, die gestern extra mit ihrem Bruder Christian Krüger nach Schlenzer gekommen war. Von 1943 bis 1949 war ihr Vater Pfarrer in der Gemeinde. Schöne Kindheitsjahre hat sie hier verbracht. "Meine Urgroßmutter hat mich liebevoll behütet", erinnert sie sich. Bis heute pflegt sie in Schlenzer das Grab der Uroma, die 1946 verstarb.

"Ich liebe das Gotteshaus in Schlenzer", sagte sie. Gern möchte sie etwas zum Erhalt beitragen. Kirchenältester Heinz Krüger vernahm dies wohlwollend. Er ist der fleißigste Sammler von Spendengeldern. Sie werden für die Restaurierung der Kirchturmuhr dringend benötigt. Denn dafür gibt es keine Fördermittel. Ein neues Ziffernblatt wird benötigt, das Uhrwerk ist verschlissen und muss überholt werden. Fast 4000 Euro sind schon eingegangen. Die Restaurierung des Kirchturmes dagegen wird mit 5000 Euro aus dem Fonds der Mittelbrandenburgischen Sparkasse unterstützt. Den Rest muss die Kirchengemeinde selbst aufbringen. Das Gebälk wird saniert, eine neue Dacheindeckung mit Schiefertafeln ist vorgesehen. (Von H.-Dieter Kunze)

Märkische Allgemeine vom 15. Juni 2011

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