Er soll ein Segen sein

KIRCHE: Der evangelische Landesbischof kam gestern nach Garz, um den restaurierten Taufengel zu weihen

GARZ - Die blonden Locken fallen ihm auf die Schultern. Der Blick ist freundlich, vorwärts gerichtet. Die Ärmel sind hochgekrempelt, als wolle er mit anpacken bei allen Taufen, die unter dem Schutz seiner Flügel noch vollzogen werden.

Dem Taufengel zuliebe hatte sich die Garzer Kirche gestern Nachmittag bis in den letzten Winkel gefüllt. Das Dorf, die Kirchengemeinde und viele Bekannte des Wochenend-Garzers und Berliner Kulturstaatssekretärs André Schmitz kamen zur Einweihung des restaurierten Taufengels. Den Festgottesdienst hielten der evangelische Landesbischof Markus Dröge und die Pfarrer Ann-Katrin Hamsch und Stephan Scheidacker.

Noch vor einem Jahr träumten die Garzer davon, nach der Sanierung ihrer Kirche auch die Restaurierung ihres Taufengels mit Benefizveranstaltungen bestreiten zu können. Im Laufe seiner Geschichte hatte der Taufengel deutlich Schaden genommen: Die Hände fehlten ihm, Teile des Gesichts waren herausgebrochen. Nur die Flügel, die waren ihm geblieben.

Gefertigt in der Werkstatt eines barocken Schnitzmeisters, war der Engel nach vielen Dienstjahrzehnten im Kirchenraum in einer Kiste auf dem Dachboden gelandet. In den 1970er Jahren konnte dann das Konsistorium noch in letzter Minute verhindern, dass der Engel an einen Berliner Kunstsammler verkauft wird.

Im vergangenen Herbst nahm die Garzer Restauratorin Martina Klingler das himmlische Wesen in ihre Obhut und restaurierte es auch in vielen ehrenamtlichen Stunden. Bereits 2004 hatte sie den Taufengel schon einmal zu sich genommen, um ihn zu "festigen": So nennen es Restauratoren, wenn sie Vorhandenes sichern.

Insgesamt 7000 Euro haben die Garzer durch Spenden und Konzerte in der Benefizreihe "Garz im Sommer" für die Restaurierung des Engels gesammelt. Auch die Renovierung der Kirche 2004 und die Erneuerung des Fassadenanstrichs 2006 gingen auf solche Benefizaktionen zurück.

Nun hatte nur noch der Engel gefehlt. Mit direktem Blick zu ihm sprach Landesbischof Markus Dröge in seiner Predigt auch über die Aufgabe, die ein solches Wesen in der Kirche übernehmen kann: "Der Engel begleitet die Taufe und wird so zu einer Brücke zwischen Himmel und Erde." Dass sich die Garzer so für ihren Engel eingesetzt haben, sei "Ausdruck des lebendigen Glaubens und der Wertschätzung der Taufe". Während des Festgottesdienstes nahm Markus Dröge den Taufengel in Dienst mit dem Kreuzzeichen und den Worten: "In dieser Kirche soll ab heute wieder die heilige Taufe unter dem Schutz dieses Taufengels gespendet werden."

Seinen ersten Einsatz hatte er sogleich. Die Familie der kleinen Ella Ursula Petra Johanns war aus Berlin zur Taufe nach Garz gekommen. (Von Juliane Felsch)

Märkische Allgemeine vom 20. Juni 2011

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