Akustik vom Feinsten

KULTUR: Die Lindower Sommermusiken für jeden Geschmack und jeden Geldbeutel

LINDOW - Der fast 40 Meter hohe Turm ist weithin sichtbar. Schlicht, aber dennoch erhaben steht die Lindower Kirche an der Ortsdurchfahrt. Dreimal ist sie innerhalb eines halben Jahrtausends neu aufgebaut worden, weil Flammen die heiligen Mauern vernichtet hatten. Ihre jetzige, barocke Form erhielt die Kirche 1755. Aus dieser Zeit stammt auch noch der hölzerne Prospekt. Die Orgel selbst mit mehr als 1100 Pfeifen ist ein Werk des Frankfurter Orgelbaumeisters Sauer. Sie entstand vermutlich um 1900.

"Wir haben hier eine hervorragende Akustik, die für Kammermusik besonders geeignet ist", sagt Kantorin Karin Baum, die die Lindower Sommermusiken auch in diesem Jahr organisiert hat. Die Konzertserie in der Kirche findet seit nunmehr 33 Jahren statt. Sie war vom früheren Pfarrer Hans-Joachim Schubach initiiert worden.

Mittlerweile haben sich die Lindower Sommermusiken in der brandenburgischen Kulturlandschaft etabliert. So gelingt es den Organisatoren beispielsweise immer wieder, den mehrfach preisgekrönten Organisten Matthias Eisenberg für einen Abend zu gewinnen. Auch das angesehene Frauen-Streichquartett um Annegret Klenke kommt seit Jahren nach Lindow, ebenso wie das Bläserquintett der Komischen Oper.

Die Kirchengemeinde will die hochkarätigen Konzerte auch weiterhin ohne Eintritt anbieten. "Jeder soll in den Kulturgenuss kommen können", sagt Karin Baum. Zwar seien die Organisatoren auf Sponsoren und Spenden angewiesen, aber "jeder kann nach seinen Möglichkeiten geben", sagt die Kantorin. Sie kam mit ihrem Mann Pfarrer Holger Baum und ihren vier Kindern 2001 nach Lindow. "Die Sommermusiken sind eine tolle Sache. Ich führe diese Tradition gern weiter", sagt die Kantorin. Jeder könne dabei "seinen persönlichen Höhepunkt" finden. Trompete und Orgel sorgen zum Beispiel am 23. Juli für kräftige Töne, Harfe und Violine am 16. Juli für zarte Klänge. Karin Baum freut sich besonders auf das Eröffnungskonzert mit der Flötistin Susanne Ehrhardt und dem Gitarristen Walter Thomas Heyn. "Romantische Leidenschaften" so ist der Abend am kommenden Sonnabend überschrieben. Noch vor Beginn des Konzertes soll in der Lindower Kirche die gemeinsame Ausstellung von Birgit Tornow (Malerei) und ihrer Tochter Christin (Fotografie) eröffnet werden.

Bei der Organisation wird Karin Baum von vielen Lindowern unterstützt. Manche bereiten das Abendbrot für die Künstler vor, andere beaufsichtigen die Kirche oder sammeln die Kollekte ein. Bereits im August beginnt die Kantorin mit der Planung für das kommende Jahr. Schon jetzt haben sich Musiker angemeldet, die 2012 in Lindow auftreten wollen. (Von Katharina Kastner)

Märkische Allgemeine vom 21. Juni 2011

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