Umbauten im Lutherzimmer

SANIERUNG: Denkmal der Marienkirche geht weiter / Pfarrer stellt neue Pläne vor

BAD BELZIG - Es ist Sommer 2012, so um den Deutschen Wandertag herum. Bad Belzig zählt viele Gäste, die natürlich auch die Altstadt erkunden. Der Kirchturm zieht sie auch aus der zweiten Reihe an wie ein Magnet. Hell und neu strahlen Dach und Fassade in der Sonne. Die Brautpforte als neuer Haupteingang steht weit offen. Auch innen ist das Gotteshaus frisch geweißt, der Blick fällt in die lichtdurchflutete Nordvierung.

Wo einst die Papenius-Orgel stand, ist jetzt ein ansprechend gestalteter Raum der Stille, der zum Innehalten einlädt. Die berühmte Orgel indes steht an der Westwand, auf einem Podest oder einer Empore.

Soweit der Traum, den Pfarrer Claas Henningsen jetzt in der Gemeindeversammlung in der Bad Belziger Bricciuskirche vorstellte. Doch er soll Wirklichkeit werden. "Wenn wir im Sommer soweit sind, haben wir schon viel gewonnen", sagte der Geistliche. Dann wären immerhin schon zwei von drei recht großen Schritten bei der Sanierung und dem Umbau der St.-Marien-Kirche geschafft.

Die Pläne sehen ein verändertes Nutzungskonzept und damit auch einschneidende Umbauten innerhalb des Gotteshauses vor. Erste Entwürfe dazu wurden von einer Arbeitsgruppe vorgelegt, die auch Nicht-Gemeindegliedern offen stand.

Künftig sollen alle Arbeitsbereiche des Gemeindelebens in der Kirche Platz finden. Sowohl das Wächtlerhaus als auch die Räume des jetzigen Gemeindebüros am Kirchplatz 1 und im Reißigerhaus können dann vermietet werden und Einnahmen bringen.

Der große Kirchenraum um das Hauptschiff bleibt ungeteilt erhalten. "Entgegen anderslautender und in Bad Belzig kursierender Gerüchte", wie Claas Henningsen erklärte. "Wir haben sechs Räume in der Kirche, die genutzt werden können."

Im Turmvorbau kann sogar noch ein Zwischengeschoss eingezogen werden, das Arbeits- und Büroräume aufnehmen kann, die über eine Wendeltreppe erreichbar sind.

Ebenerdig wird das Gemeindebüro eingerichtet. Bisher befindet sich dort der Toilettencontainer. WC und Küche sollen künftig im so genannten Glaskasten unterkommen, der vom Hauptschiff aus gesehen unauffällig gestaltet wird. Die Winterkirche bleibt als solche erhalten, soll aber einen behindertengerechten Treppenaufgang erhalten und bedarf wie das Gesamtprojekt eines neuen Energiekonzepts.

Auch die Sakristei und das Lutherzimmer der Raum des Kantors werden energetisch saniert und besser nutzbar gemacht. Der jetzige Archivraum soll zum Multifunktionszimmer ausgebaut werden.

"Das alles sind zunächst einmal unsere Vorstellungen, die Realisierung überschreitet aber unsere Kompetenzen", erklärte Claas Henningsen. Deshalb stünde ein professionelles Energie- und Finanzkonzept an erster Stelle.

Der Landkreis, der nach Angaben von Claas Henningsen St. Marien gerne als Hauptkirche Potsdam-Mittelmarks sähe, in der auch mal ein Kreistag eröffnet werden könne, habe bereits 25 000 Euro für die ersten Schritte bereit gestellt. (Von Kerstin Henseke)

Märkische Allgemeine vom 01. Juli 2011

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