Auch der Storch findet’s spitze

BAUWERKE: Genau ein Jahr nach der Wiederherstellung des Putlitzer Kirchturms hält die Bewunderung an – sie ist gar tierischer Art

PUTLITZ - Als Petra Heinrich am frühen Sonntag aus ihrem Küchenfenster blickte, da musste sie zunächst ihre Augen scharfstellen: Auf dem goldenen Kreuz der Putlitzer Kirchturmspitze hatte sich Gesellschaft eingefunden. Die Metallgans dort oben, die zusammen mit den Jahreszahlen 1910 und 2010 die Wetterfahne bildet, war nicht mehr länger einsam. Ein Storch setzte sich zu ihr. Von den Glockenschlägen ließ er sich nicht aufschrecken.

Seit genau einem Jahr nun krönt die neue Turmzierde wieder die Stadt. Vorigen Donnerstag, "einen Tag vor dem Jahrestag des Aufsetzens der neuen Kirchturmspitze, haben wir am Fuße des Turmes das Baustellenschild demontiert", informiert Klaus Pirow. Er war der Vorsitzende des Fördervereins, dessen Gründung Pfarrer Volkhart Spitzner im Jahr 2008 initiierte. Das Vorhaben Kirchturmspitze war ins Rollen gebracht. Am 3. Oktober 2010 konnte ihre Wiedererrichtung dann mit einem großen Fest in Putlitz gefeiert werden. "Die gemeinsame Freude verband Kommune, Kirchengemeinde, Förderkreis und viele Interessierte. Das Bauschild vor der Kirche hielt diesen gemeinsamen Weg der Wiedererrichtung in Erinnerung. Nun wurde es zurückgebaut", sagt der Pfarrer.

Die alte Spitze wurde im Jahr 1988 wegen Baufälligkeit abgenommen, sie war im Jahr 1910 dort aufgesetzt worden. Davon kündet die zweite Jahreszahl in der Wetterfahne. 2010 waren also 100 Jahre vergangen.

"Der Kirchturm begrüßt heute wie selbstverständlich die Gäste in Putlitz und gibt der Stadt eine wunderschöne Silhouette", findet Spitzner. Was den Betrachtern von außen allerdings unsichtbar bleibt: Die Arbeiten gehen weiter. Derzeit werden die morschen Dielenbretter im Turm in der Ebene der Glocken erneuert. Das Holz, das Ralf Pöhl von der HKS-Bau GmbH im Auftrag der Kirchengemeinde austauscht, gehört schließlich noch zur Erstausstattung von 1910. "Der Zahn der Zeit hat doch sehr heftig daran genagt. Erst nach Abschluss der Arbeiten kann dieser Bereich wieder gefahrlos betreten werden", informiert Klaus Pirow.

Diese Arbeiten werden mit dem Restgeld des "Förderverein Kirchturmspitze Putlitz" finanziert. Der Förderverein hatte dazu einen Betrag an die Kirchengemeinde zweckgebunden für den Kirchturm zum Jahresende 2010 überwiesen. Dann löste sich dieser Verein auf, weil sein Gründungsziel erreicht war.

Aus der von Klaus Pirow geleiteten Gruppe heraus bildete sich nun ein Freundeskreis der Stadtkirche. Dieser macht es sich zur Aufgabe, die Kirchengeschichte zu dokumentieren, Gestaltungsvorschläge zu geben und natürlich auch selbst Hand anzulegen (MAZ berichtete).

Das nächste Treffen des Freundeskreises findet am Freitag, 16. September, ab 18 Uhr im Pfarrhaus Putlitz statt (Von Matthias Anke)

Märkische Allgemeine vom 06. Juli 2011

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