Maßarbeit an einer 322-Jährigen

DENKMALE: Experten ersetzen tragende Teile der Dorfkirche von Schönberg / Dach wird etwas teurer

SCHÖNBERG - Fertigteile gibt es auf dieser Baustelle nicht: Der Zimmermann Gerd Thomas sägt die Balkenköpfe maßgenau zu. Sein Kollege Jörg Junkers nimmt sie in luftiger Höhe entgegen und passt sie ins Dachgebälk der Schönberger Dorfkirche ein. Der Maurer René Werner balanciert unterdessen eine schwere Schubkarre voller Mörtel, die er zuvor per Seilwinde aufs Baugerüst gehoben hat. Dort oben mauert er die Gefache des Kirchturms wieder auf zum Teil mit den alten Ziegeln, zum Teil mit neuen.

Die Männer von der Müncheberger Baugesellschaft sind Experten für denkmalgeschützte alte Kirchen. Jeden Tag fahren sie 120 Kilometer zu ihrer Baustelle in Schönberg bei Lindow.

Und sie haben gute Neuigkeiten nämlich keine: Auch drei Monate nach Beginn der Bauarbeiten an der 322 Jahre alten Schönberger Dorfkirche haben die Bauarbeiter dort noch keinen Hausschwamm gefunden.

Nachdem nun alle Balkenköpfe freigelegt sind, erwartet der zuständige Pfarrer Ulrich Baller aus Herzberg keine unangenehmen Überraschungen mehr. Anders als in Keller, wo bei der Kirchensanierung massiver Schwammbefall entdeckt wurde, könnte die Kirchensanierung in Schönberg so im Kostenrahmen (240 000 Euro) bleiben.

In diesem Jahr steht ohnehin nur der erste Bauabschnitt für rund 100 000 Euro an. Dafür erhält der Turm neue Balken und das Kirchenschiff ein neues Dach (die MAZ berichtete).

Etwas teurer wird das neue Kirchendach, nachdem sich der Architekt der Kirche mit der Denkmalschutzbehörde nun auf einen anderen Dachziegel geeinigt hat als ursprünglich geplant. Sobald die Balkenköpfe ersetzt sind, können die Dachdecker anrücken. Froh ist der Pfarrer darüber, dass die Bauarbeiter die bemalte Innendecke der Kirche bisher nicht abnehmen mussten. Drinnen ist es dunkel. Die Fenster sind durch Hartfaserplatten geschützt, der Strom ist abgestellt. Falls die Schönberger Weihnachten wieder in ihrer Dorfkirche feiern wollen, dann wohl nur bei Kerzenschein.

Noch aber haben die Bauarbeiter das Sagen. "Nach getaner Anpassung des Balkenkopfes hab ich die Endreinigung vorgenommen", sagt Jörg Junkers, nachdem er seine Kollegen von oben über und über mit Hobelspänen vollgefegt hat. "Der drückt sich immer so gewählt aus", grinst René Werner, greift sich einen Stein und die Maurerkelle am Kirchturm, hoch über seinem Kopf und sagt: "Dann kann ick ja wieder ran an meine Eiger-Nordwand." (Von Christian Kranz)

Märkische Allgemeine vom 14. Juli 2011

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