Ehrwürdig erklingt Massener Orgel

FINSTERWALDE/MASSEN Eine "Kleine Orgelfahrt" hat kürzlich Besucher in die evangelische Kirche von Massen, die katholische Kirche von Finsterwalde und in die Dorfkirche Sankt Katharinen von Nehesdorf gelockt. Ziel der Veranstalter war es, mit den Einnahmen aus der Tour die Massener Orgel zu restaurieren.

 
Albrecht Bönisch erklärt den Gästen die Orgel in der Massener Kirche.
Foto: Mario Sanders

Nach 50 Jahren Flickwerk benötigt sie nun eine Generalüberholung, die mindenstens 50 000 Euro kosten wird. Das erklärte Pfarrerin Marlen Reinke in Massen. Deshalb hatte der pensionierte Pfarrer Werner Hainsch aus Göllnitz die Orgelfahrt organisiert.

Kreiskirchenkantor Andreas Jäger und seine Gattin Claudia entlockten den ,,Königinnen der Instrumente" herrliche Töne. Albrecht Bönisch seinerseits führte die etwa 35 Teilnehmer in die Baugeschichte des Massener Kleinodes mit der mechanischen Orgel ein. Welch großer Aufwand wurde da vor gut 750 Jahren betrieben: Eine dreischiffige Basilika errichteten die Vorfahren in dem Siedlungsflecken Massen. Das lässt sich an den ruinös wirkenden abgebrochenen Feldsteinen an Nord- und Südseite erkennen. ,,Das ist für Dorfkirchen äußerst ungewöhnlich und einzigartig", hob Bönisch hervor.

Anfangs gab es in dem Massener Gotteshaus keine Emporen, Sitzbänke und Taufengel. Nur ein steinerner Altartisch und bemalte Wände in der Apsis beeindruckten die Gläubigen. Nach der Reformation folgten nach und nach die hölzernen Einbauten. Den Altar errichtete der Finsterwalder Kunsttischler Abraham Jäger in eigenem Stil mit gedrehten und laub-verzierten Säulen. Die bildliche Darstellung des letzten Abendmahls sowie der Kreuzigung Jesu ergänzt die seltene Darstellung der Grablegung.

Die erste Orgel in der Kirche errichtete 1821 Johann Christoph Schröter aus Sonnewalde. Bereits 1881 folgte der Einbau einer zweiten Klaviatur durch Nikolaus Schrickel aus Eilenburg. In den 60er-Jahren des 20. Jahrhunderts erfolgte schließlich ein Umbau durch die Firma Sauer in Frankfurt/Oder.

Christa Kotte und Schwägerin Brigitte Kotte nahmen gemeinsam an der ,,Kleinen Orgelfahrt" teil. Sie freuten sich über das Angebot, Orgelmusik unmittelbar nacheinander in verschiedenen Kirchen vergleichen zu können. Für Leni Richter, 1927 in Massen geboren, war der Ausflug wie ein vorgezogener Gottesdienst. Maria Richter ihrerseits hatte sich extra aus Hoyerswerda auf den Weg begeben, um den historischen und musikalischen Tönen zu lauschen.

Pfarrerin Marlen Reinke hob hervor, dass die Massener Kirche bis Oktober als Ort der Besinnung jeden Freitag von 10 bis 18 Uhr geöffnet ist und zugleich für Interessierte Einblicke in die Kunstgeschichte gewährt.

Von Mario Sanders

Lausitzer Rundschau vom 14. Juli 2011

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