Vom Rost zerfressen

SANIERUNG: Neuer Glockenstuhl für die Hennigsdorfer Martin-Luther-Kirche

HENNIGSDORF - Das Geläut der Hennigsdorfer Martin-Luther-Kirche ist verstummt. Vorübergehend. "Vor vier Wochen haben wir die Glocken abgehängt", erklärt Holger Bittner.

Der Juniorchef der Berliner Firma Glocken-Bittner war in dieser Woche mit dem Aufbau des neuen Glockenstuhls im Inneren des Kirchturms beschäftigt. "Die alte Konstruktion war nicht mehr zu retten. Die wäre irgendwann zusammengebrochen", sagt der Fachmann. Der aus Winkelstahl zusammengeschraubte alte Glockenstuhl war vom Rost zerfressen. Die in den letzten Kriegstagen durch Granatenbeschuss enstandenen Schäden taten ein Übriges.

Auch die neue Konstruktion ist aus Stahl, sorgfältig mit Korrosionsschutz versehen und passgerecht in den Turm eingebaut. Noch stehen die drei Glocken auf dem Betonfußboden der Glockenstube. "Es fehlen noch die Joche, an denen sie aufgehängt werden", erklärt Holger Bittner.

Gut eine halbe Tonne wiegt die größte Glocke. Genau 518 Kilogramm, wie Mitarbeiter Thomas Stechel ermittelt hat. Die mittlere bringt es auf knapp 210 Kilogramm, die kleine wiegt 170 Kilogramm. Alle drei sind nach verheerenden Kriegen gegossen worden. Die große 1919, nach dem Ende des Ersten Weltkriegs. Nur ein Wort steht auf ihrem Rand "Friede". Im Nachkriegsjahr 1946 entstanden die beiden anderen Kirchenglocken. "Betet" und "Aus tiefster Not" haben ihre Stifter Willi und Ursula Brandenrburg und Elisabeth Lauterbach als Inschriften gewählt.

In der nächsten Woche werden die Glockenspezialisten wieder die schmale Stiege im Turm hinaufsteigen. Dann sollen die Joche an die Glocken montiert und diese wieder an ihren angestammten Platz gehievt werden.

Zum Schluss ist die Turmuhr an der Reihe. Die war bereits vor knapp einem Jahr ausgebaut und einer Generalüberholung unterzogen worden. "Kaputt war nichts. Aber das Uhrwerk war völlig verdreckt und verölt", berichtet Holger Bittner. Die Zifferblätter und Zeiger sind noch in Ordnung.

"In Nieder Neuendorf mussten sie komplett erneuert werden", erinnert sich Holger Bittner an die dortigen Arbeiten. Vor vier Jahren war die Dorfkirche einer gründlichen Sanierung unterzogen worden. Die Firma Bittner hatte sich auch dort der Glocken und des Glockenstuhls angenommen und auch die Uhr wieder flottgemacht.

Für die Erneuerung des Glockenstuhls rechnet der Hennigsdorfer Pfarrer Clemens Liepe mit Kosten in Höhe von rund 16 000 Euro. Ursprünglich waren diese Arbeiten bei der auf 360 000 Euro veranschlagten Sanierung der Kirche nicht mit eingeplant gewesen. Doch zu Jahresbeginn wurde auch dies in das Gesamtvorhaben einbezogen. (Von Ulrich Bergt)

Märkische Allgemeine vom 23. Juli 2011

   Zur Artikelübersicht