Die Früchte hängen hoch

ENGAGEMENT: 250 000 Euro wären für alle Sanierungs- und Reparaturarbeiten in der Kapper Kirche notwendig

KAPPE - Der Verein Kapper Cappe kann für alle schwerwiegenden Sanierungsarbeiten, die an der Kapper Kirche notwendig sind, die Höhe der Investitionskosten benennen. Angetreten, den Erhalt des baufälligen Gotteshauses zu sichern, haben sich die Vereinsmitglieder mittlerweile einen Überblick über den Zustand der Dorfkirche verschafft. Besonders dringend sei die Sanierung des Daches, sagt der Vereinsvorsitzende Christian Schulze. 136 000 Euro würde sie kosten. Insgesamt liegt der finanzielle Bedarf für alle notwendigen Arbeiten am und im Gebäude bei 250 000 Euro.

In einer Studie, die die Verwaltung des Kirchenkreises in Auftrag gegeben hat, ging es bisher allein um die Ingenieurleistungen für das Dach. Dem Vorsitzenden des Kapper-Cappe-Vereins liegt aber auch eine Kostenschätzung für die Erneuerung des Kirchenturmes vor. 78 000 Euro sind aufzubringen, um den jetzigen Turm, der in den 70er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts nicht im Original neugebaut wurde, wieder in seiner ursprünglichen Form zu errichten. Auch die Holmbach-Orgel ist zu reparieren 18 000 Euro. Allein für die Turmuhr ist bisher kein Angebot eingeholt worden. Dem würde sich der Förderverein allerdings auch als Letztes widmen. Viel dringlicher ist dagegen die Sanierung der baufälligen Giebelrolle. Es könne sein, so Schulze, dass ein Teil der Fassade wegen maroder Stellen am Giebel bald abgesperrt werden müsse. Diese Instandsetzungsarbeiten würden 20 000 Euro kosten.

Für den Förderverein ist die Beauftragung von Firmen mit den Reparaturen derzeit ein Wunschtraum. Die Mitglieder können zwar um Spenden werben, derzeit aber nur in kleinem Rahmen. Um beispielsweise bei Stiftungen wie der der Mittelbrandenburgischen Sparkasse eine finanzielle Unterstützung zu erhalten, muss ein Verein mindestens fünf Jahre existieren. Bis es so weit ist, werden noch dreieinhalb Jahre vergehen, in denen der Kapper Verein weiterhin Brunchkonzerte organisieren und auf die marode Bausubstanz der Kirche aufmerksam machen will. Bisher sind 1834,86 Euro gespendet worden.

Der Superintendent im Kirchenkreis Oberes Havelland, Uwe Simon, bezeichnet jedes Engagement für den Erhalt einer Kirche als sehr willkommen. Allerdings würden angesichts der zahlreichen baufälligen Kirchenhäuser, über deren Zukunft er mitzuentscheiden hat, immer zwei Herzen in seiner Brust schlagen. Es gebe zwar immer wieder Menschen, die sich stark für ein Gebäude engagieren würden, allerdings existierten andernorts Kirchen, deren Zustand wesentlich dramatischer ist. So sei das Dach der Meseberger Kirche von Schwamm befallen und müsse dringend repariert werden. Das Gebäude ist für die evangelische Gemeinde deshalb wichtig, weil sich das Bundesgästehaus in der Nähe befindet und viele Besucher anlockt. Auch die Groß Döllner Kirche sei stark baufällig. Aufgegeben wurde indes das Tornower Gotteshaus, es ist gesperrt und soll verkauft werden.

Christian Schulze will sich ungeachtet der aktuellen baulichen Prioritäten im Kirchenkreis weiterhin für die Kapper Kirche engagieren. Mit den Brunchkonzerten könne der Verein zwar die Aufmerksamkeit auf das Gebäude lenken, aber kein Geld für Projekte zurücklegen. Das sei fiskalisch auch nicht beabsichtigt. Als gemeinnütziger Verein dürfe der Kapper Cappe e. V. kein Vermögen anhäufen. Wichtig für den Verein sei es aber, die Kapper hinter den Interessen des Vereins zu versammeln. Nur wenn ersichtlich werde, dass nicht nur ein kleiner Teil der Einwohner den Kirchenerhalt als sehr wichtig erachtet, werde das Anliegen größeres Gewicht erhalten und Bemühungen um finanzielle Unterstützung künftig auch Früchte tragen, ist sich Christian Schulze sicher. (Von Andreas Röhl)

Andreas Röhl über das Engagement einiger Enthusiasten für ihre Kirche

Kapper für Kappe

Wer sich heutzutage für die Sanierung einer Kirche stark macht, braucht einen langen Atem. Das gilt vor allem für jene Initiatoren, die sich aus Leidenschaft für ihren Heimatort engagieren, ansonsten aber nicht über die notwendigen finanziellen Mittel verfügen, um ein solches Projekt voranzutreiben. Wie so ein Modell rein werbetechnisch trotzdem für Aufmerksamkeit sorgen kann, zeigt der Verein Kapper Cappe mit seinen Brunchkonzerten, bei denen jedes Mal das Gotteshaus außerordentlich gut gefüllt ist. Zudem verfolgen die Veranstalter eine Mission sie werben für gesundes Essen und haben vom ersten Konzert an stets das Schweinefleisch von der Brunchtafel verbannt. Für ein Dorf ist es ein Segen, wenn es Menschen gibt, die sich so mit einer Sache wie der Kirchensanierung identifizieren. Das damit verbundene Engagement lenkt die Aufmerksamkeit der Besucher ja nicht nur auf das Gotteshaus, sondern auf den Ort insgesamt und seine Umgebung. Der Verein Kapper Cappe tut demzufolge etwas für das Tourismusmarketing, wenn auch mit bescheidenen Mitteln. Es wäre der Initiative zu wünschen, wenn sie künftig im gesamten Ort einen entsprechenden Rückhalt findet. Denn nur wenn alle es wollen, kann am Ende etwas für Kappe erreicht werden.

Märkische Allgemeine vom 27. Juli 2011

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