Filigrane Biber für die Zwiebel

DENKMALSCHUTZ: Roddaner Dorfkirche erhält neuen Helm nach historischem Vorbild / Richtfest im August

RODDAN - Zwiebeltürme gehören in bayerische Dörfer oder allenfalls nach Moskau. Das bestreiten die Roddaner mit Fug und Recht. Schließlich zierte ihre schmucke kleine Kirche bis in die 1980er Jahre ein Turm mit aufgesetztem Helm, und den wollen sie wieder haben. Die Dorfbewohner und mit ihnen der zuständige Pfarrer ließen nichts unversucht, Geld zum Wiederaufbau zu sammeln. Die konzertierte Spendenaktion war von Erfolg gekrönt. "Zwiebel" und Holzturm stehen schon zum baldigen Einbau bereit.

"Die Leute haben so viel Engagement gezeigt, da haben wir alle Hebel in Bewegung gesetzt, um Fördermittel zu bekommen", sagt Pfarrer Norbert Merten. Etwa 3000 Euro seien allein im Dorf zusammengekommen, 5000 Euro von der Ostdeutschen Sparkassen-Stiftung sowie weitere Mittel von Kirche und Landkreis. Alles in allem koste es 35 000 Euro, den Zwiebelturm wieder aufzusetzen.

So zierlich der Turm auch ist, er hat es in sich. Laut Bauingenieurin Annette Schulze stellt die Konstruktion höchste Anforderungen an die beteiligten Gewerke. Das tragende Holzgerüst des sechseckigen Turmschafts werde ganz allein von traditionellen Zapfenverbindungen zusammengehalten. Nicht ein einziges Metallstück sei darin verbaut worden. Diese Arbeit führte der Wittenberger Zimmerer Olaf Arndt aus.

Ähnlich filigran dürften sich die Dachdeckerarbeiten gestalten. Die "Zwiebel" wird nämlich mit Türmchenbiberschwänzen eingedeckt. Sie sind nicht nur viel kleiner als die normale Ausführung, sondern auch konvex oder konkav gebogen, damit sie sich den Rundungen des Helms besser anpassen. Nachdem sich in der Prignitz kein Fachbetrieb finden ließ, der Erfahrung mit einer solchen speziellen Eindeckung vorweisen konnte, wurde der Auftrag an eine Potsdamer Firma vergeben.

"Vierzig Biberschwänze braucht man für einen Quadratmeter Fläche", weiß Annette Schulze zu berichten. Da jeder einzelne Dachstein individuell angefertigt werden muss, hat das Ganze seinen Preis. Das Stück kostet sechs Euro. "Dafür wird aber das Ergebnis ganz besonders schön", sagt die Ingenieurin.

Mitte nächsten Monats wird die Kirche eingerüstet und alles für den großen Moment vorbereitet. In einem feierlichen Akt sollen tumorhaft und Zwiebel mit einem Hubkraft auf das bislang provisorisch abgeflachte Dach aufgesetzt und oben verankert werden. Das Richtfest wird mit traditionellem Richtspruch und allem, was dazugehört, gefeiert.

In einem späteren Arbeitsgang wird das Fachwerk des Turmes ausgemauert. Dies übernimmt die Firma Nickel und Wegner aus Ledige. Nicht zuletzt erhält auch die Wetterfahne wieder ihren angestammten Platz auf der Spitze, ganz so wie es auf alten Bauzeichnungen und Skizzen des Turmes zu sehen ist, der im Jahre 1912 errichtet wurde. (Von Dorothea von Dahlen)

Märkische Allgemeine vom 28. Juli 2011

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