Neue Turmspitze funkelt in der Sonne

Casekow (moz) Von Eva-Martina Weyer

Die neu erbaute Kirchturmspitze von Casekow hat am Mittwoch eine Bekrönung erhalten, in die Pfarrer Mathias Tauchert eine Dokumentenhülse einbrachte. Trotz des starken Windes konnte der Kran die Spitze am Nachmittag noch auf den Turm setzen. Bewegende Momente für die Casekower.

 
Fachsimpelei: Einwohner von Casekow diskutieren die Bauausführung der Turmspitze. So nahe bekommt man sie nicht wieder zu sehen.
© MOZ

Kupfern strahlte die neue Spitze in der Sonne, als sich am Vormittag viele Casekower vor dem Kirchenportal versammelten. Pfarrer Mathias Tauchert zelebrierte die Bekrönungsfeier, bei der er eine Kupferhülse mit Zeitdokumenten befüllte. Baupläne, die Festschrift "700 Jahre Casekow", eine Tabelle mit der Ertragsentwicklung von Wintergerste, ein Tausend-Mark-Schein von 1910 und ein Prospekt der Bau GmbH Casekow gehörten unter anderem dazu.

"Der Inhalt dieser Hülse ist Ausdruck dafür, dass Menschen sich verändern. Wir wollen nachfolgenden Generationen etwas hinterlassen, was mit uns zu tun hat", wandte sich Mathias Tauchert an die Zuhörer, zu denen auch Mädchen und Jungen aus dem Kindergarten gehörten.

Mit großem Interesse verfolgte Siegfried Peter das Geschehen. Seit dem Frühjahr hat er die Bauarbeiten am Turm mit dem Fernglas beobachtet. Als 13-Jähriger musste er erleben, wie der im Zweiten Weltkrieg beschädigte Turm in der Silvesternacht 1945 bei einem schweren Sturm zusammenfiel.

"Noch am Nachmittag um drei war ich in den Turm geklettert, als wir Jungs Tauben geschossen haben. Es gab ja nichts zu essen. Da ist der Putz schon die Wand runter gerieselt, und mir ist ganz mulmig geworden", erinnerte sich Siegfried Peter.

Der Kirchturm und das Kirchenschiff waren in den Folgejahren wieder aufgebaut worden. Diesen Kirchturm hat die Casekower Bau GmbH im Frühjahr 2011 herunter gehoben. Dabei haben die Bauleute so viel Fingerspitzengefühl bewiesen, dass die Spitze in einem Stück erhalten geblieben ist. "Sie steht jetzt auf einem Lagerplatz und war uns zu schade zum Zerstören. Mal sehen, was wir damit machen", erzählte Friedrich-Wilhelm Kausch, Chef der Bau GmbH.

Die Bauleute haben außerdem altes Mauerwerk abgetragen, Schallluken komplett fertiggestellt und einen Ringanker gesetzt. Die architektonische Vorarbeit dazu hat das Planungsbüro ALV aus Angermünde geleistet. Planer Dirk Heise beziffert die Baukosten mit ungefähr 140 000 Euro.

Eine großzügige Spende des Arztes Hans-Christian Kuchenbecker aus Weimar hat den Baustart erst möglich gemacht. Er ist in Casekow geboren und in der Dorfkirche getauft worden. Bald darauf zogen seine Eltern ins Rheinland. Mit Casekow fühlt sich der Arzt aber immer noch verbunden. Geld gespendet haben auch Mitglieder der Kirchgemeinde und die Bau GmbH Casekow. Der Landkreis steuerte 7000 Euro bei.

Als die kupferne Spitze am Spätnachmittag passgenau auf den Turm gesetzt wurde, atmeten viele Zuschauer auf: "Tolle Leistung!" Allein das Kreuz wiegt 200 Kilogramm. Es ist genau jenes Kreuz, das beim Einsturz 1945 noch auf dem Turm war. Geschichtsbewusste Casekower haben es aufbewahrt, sauber gemacht und krönen damit die Spitze. Durch eine Aufmauerung wird der Turm jetzt zehn Meter höher.

Bis September bleibt er noch eingerüstet. Die Bau Casekow will noch das Mauerwerk des Turmes ausbessern, das nach dem Krieg eher behelfsmäßig saniert worden war.

Märkische Oderzeitung vom 11. August 2011

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