Für den Holzwurm in der Kanzel wird es eng

SCHLEIFE Die evangelische Kirche in Schleife sie stammt aus dem 14. Jahrhundert wird derzeit saniert. Bis zum November in diesem Jahr sollen die umfangreichen Arbeiten abgeschlossen sein. Bauherr ist Vattenfall. Das Vorhaben wurde zwischen der Kirchgemeinde und dem Unternehmen separat zum Schleifer Vertrag vereinbart.

 
Die evangelische Kirche in Schleife ist eingerüstet. Der Wetterschutz wurde am Mittwoch vorbereitet und wird am heutigen Donnerstag gesetzt. Dann können die Arbeiten am offenen Kirchendach erfolgen. In Holzbauteilen im Tragwerk sitzt der Hausschwamm.
Fotos: Gabi Nitsche
Architekt Klaas Fiedler zeigt auf die Kanzel, die überarbeitet wird.

Von außen sieht das Gotteshaus eigentlich noch ganz gut aus. Und auf den ersten Blick macht es das auch von innen. Aber nur auf den ersten Blick. Denn vor allem "oben" herum liegt so manches im Argen, dem sich nun die Fachleute annehmen. Holzbauteile, zum Beispiel die Traufen, im Dachtragwerk des Kirchenschiffes müssen ausgebaut werden, weil sie vom Hausschwamm befallen sind. Deckenbalken hängen durch. "Das sieht man ja von außen nicht, aber es ist viel zu tun", so Architekt Klaas Fiedler am Mittwoch auf der Kirchenbaustelle, als er das Projekt gemeinsam mit Joachim Kretschmer von Vattenfall der Presse vorstellte.

Doch bevor das Dach geöffnet wird, erhält es am heutigen Donnerstag einen metallenen Wetterschutz aufgesetzt, damit es nicht in die Kirche einregnet. Die Schalung von innen werde bearbeitet, bleibe aber erhalten. Auch das Dachtragwerk des Kirchenturmes hier hat sich Nassfäule breit gemacht muss dringend instand gesetzt werden. So wechseln die Handwerksbetriebe die Sparren der Turmhaube aus. Auch an anderen Teilen wird Hand angelegt, anschließend Schutzmittel verabreicht. "Alles, was wir machen, ist mit dem Denkmalschutz abgestimmt, ist nachhaltig und hält mindestens die nächsten fünfzig Jahre", sagt Fiedler. Ein in Sachen Kirchensanierung erfahrener Mann, der in Bremen und Cottbus studierte, hier seit 1994 lebt und für mehr als 30 kleine und große Gotteshäuser in den letzten zehn Jahren die Sanierung plante.

Mit seinem Leben am Ende ist der stählerne Glockenstuhl, er weicht nun einem klassischen Holzglockenstuhl. Die beiden Eisenglocken Schleifes bleiben, jedoch die bronzene Glocke wird aufgearbeitet. "Dazu wird das rund eine Tonne schweres Geläut per Kran aus dem Turm gehievt und in eine Spezialschweißerei transportiert."

Ja, für den Erhalt des Denkmals Kirche sind umfangreiche Arbeiten notwendig. Auch für die Tischler. Denn nicht nur dem Holzwurm in der Kanzel wird der Garaus bereitet. Die Kirchenbänke erhalten eine fachmännische Kur. Die 1978 installierte Elektroheizung hat jetzt ausgedient. Manfred Hermasch vom Gemeindekirchenrat informierte, dass eine Warmwasser-Fußbodenheizung im Kirchenschiff eingebaut wird. "Temperatur und Feuchtigkeit sollen nur so hoch sein, wie es die Fresken und Holzbauteile vertragen", fügt Architekt Klaas Fiedler hinzu. Wie in einem modernen Wohnhaus wird die Heizung dann zeitgesteuert zum Beispiel rechtzeitig vor Gottesdiensten.

So lange die Kirche Baustelle ist, nutzt die Gemeinde dafür Pfarrscheune. "Und wenn es dort im Winter zu kalt ist, nutzen wir das Sorbische Kulturzentrum", so Hermasch. Zur Kirchgemeinde gehören etwa 50 Prozent der Einwohner aus den sieben Dörfern des Schleifer Kirchspiels.

Von Gabi Nitsche

Lausitzer Rundschau vom 11. August 2011

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