Teure Trockenlegung

BAUEN: Sanierung der Marienkirche sprengt Finanzplan / Arbeiten am Dach begonnen

BAD BELZIG - Die Sanierung und der Umbau der Bad Belziger Kirche Sankt Marien werden deutlich teurer, als bislang geplant. Die Arbeiten werden nach aktuellen Schätzungen rund 100 000 Euro mehr verschlingen. Das ursprüngliche Budget lag bei 450 000 Euro. Das sagte Pfarrer Claas Henningsen in einem Gespräch mit der MAZ.

"Die Kostenschätzung für die Trockenlegung des Fundamentes war sehr, sehr blauäugig", kritisierte Henningsen. Wegen des immensen Aufwandes sei nun der Mehrpreis entstanden. Wie der Geistliche sagte, sei die Finanzierung jedoch "halbwegs" geklärt. "Jetzt müssen wir da durch." Neben der Kirche sind auch der Landkreis, die Stadt sowie Förderfonds an dem Bauprojekt beteiligt.

Ein großer Posten dabei ist die Entsalzung der Wand. Ein sogenannter "Verzehrputz" zieht momentan von innen die Feuchtigkeit aus den historischen Mauern. "Er bleibt für die nächsten fünf Jahre drauf und muss danach möglicherweise noch einmal erneuert werden", erklärte Claas Henningsen das aufwändige Verfahren. Um Geld zu sparen, verzichte er für diese Zeit auf einen Anstrich. "Sankt Marien bleibt deswegen erst einmal buntscheckig", so der Pfarrer.

Handwerker haben das Fundament vom Innenraum des Gotteshauses bereits mit einer Isolierung versehen. Im kommenden Jahr sind die gleichen Arbeiten von außen geplant. "Wir ziehen dann einen Graben um die Kirche und Archäologen werden im Einsatz sein", erklärte Henningsen. Danach würden die Bauleute das Fundament abdichten und mit Lehmpackungen trockenlegen.

Derweil gehen die Bauarbeiten an dem denkmalgeschützten Gotteshaus weiter. Jetzt haben Handwerker begonnen, das Dach fertig zu decken. "Die Südseite ist gemacht, nun sind die Nordseite und das Hauptschiff dran", berichtete Claas Henningsen.

Leider sei sehr viel Schwamm an der Ecke des Turmes entdeckt worden. "Um den zu beseitigen, müssen wir viel Holz austauschen", erklärte der Pfarrer. Die befallenen Stellen würden großzügig beseitigt und repariert, um einen neuen Pilzbefall zu verhindern. Claas Henningsen rechnet mit einer Fertigstellung des Daches in rund drei Wochen. Im Kirchenraum untersucht der Bad Belziger Restaurator Udo Drott gemeinsam mit einer Kollegin die Wände nach Spuren von alten Gemälden, die unter den zahlreichen Putzschichten aus den vorigen Jahrhunderten verborgen sein könnten. Möglicherweise hat er jetzt die Reste einer Engelsdarstellung gefunden. "Sicher ist das nicht, weil die Kirche nämlich sehr schlicht gehalten ist", sagte der Experte. "Wir hoffen, dass es ein Engel ist", erklärte Claas Henningsen. (Von Hermann M. Schröder)

Hermann M. Schröder zur aufwändigen Sanierung der Bad Belziger Marienkirche

Geduldsspiel

Der Posten des Dombaumeisters in Köln, so sagt man, ist eine Lebensstellung. Das Wahrzeichen der Rheinmetropole wird wohl nie so richtig fertig werden, es gibt immer etwas zu tun an dem filigranen Gotteshaus. Seit zwei Jahren ist nun auch Sankt Marien in Bad Belzig eine Großbaustelle. Handwerker sanieren das denkmalgeschützte Gebäude aufwändig, denn die Jahrhunderte und der Pfusch aus jüngeren Tagen haben ihre Spuren an den alten Mauern hinterlassen. Gleichzeitig stehen gewaltige Umbauten auf dem Plan. Dass die Kosten für das Vorhaben jetzt geradezu explodiert sind, überrascht bei näherem Hinsehen eigentlich nicht. Wer schon einmal ein Haus gebaut oder gar ein altes wieder auf Vordermann gebracht hat, der weiß nur zu genau, wie schnell die Finanzierung aus dem Ruder laufen kann. Es gibt einfach zu viele Unwägbarkeiten und aller Vernunft zum Trotz regiert immer auch ein wenig das Prinzip Hoffnung bei den Bauherren, um sich am Anfang eines solchen Vorhabens nicht gleich von den hohen Kosten entmutigen zu lassen. Für die Sanierung der Marienkirche lohnt sich der Aufwand allemal. Das Gotteshaus ist ein Wahrzeichen der Stadt und soll bald eine noch viel größere Rolle im kulturellen Leben spielen. Doch bis dahin braucht es noch einiges an Geduld.

Märkische Allgemeine vom 12. August 2011

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