Orgelpfeifen in neuem Glanz

HANDWERK: Altes Instrument in der Petkuser Kirche wird restauriert und erklingt nach 30 Jahren neu

PETKUS - Ein Schönheitsschlaf war das nicht gerade, den die Orgel nun hinter sich gebracht hat. 30 Jahre lang war von ihr kein einziger Ton zu vernehmen. Wie sie einmal geklungen hat, wüsste kaum noch jemand im Dorf, erzählte Pfarrer Joachim Boekels. Auch nicht, wie die Beschädigungen begonnen hatten und wann die Stilllegung der Orgel zu Stande kam.

Aber die Schäden hatten er und Orgelbauer Markus Voigt genau aufzählen können. Ein Wasserschaden am Blasebalg wegen eines defekten Kirchendaches in den 70-er Jahren, zerstörte Fußpedale, gestohlene Orgelpfeifen, fehlende Holzbauteile.

Das alte Instrument hatte in den letzten Jahrzehnten sehr viel gelitten. Auch die Holzwürmer setzten der Orgel ziemlich zu und fraßen sich zum Beispiel durch die hölzernen Registerknöpfe, die zum Spielen der Orgel benötigt werden.

Doch die Stunden der viel zu langen Orgel-Zwangspause sind nun gezählt. Das Instrument bekommt jetzt einen elektrischen Motor, der den alten Blasebalg ersetzen wird, und viele neue und reparierte Orgelpfeifen.

Am 28. August wird die Orgel dann erstmalig nach über 30 Jahren zum Petkuser Gemeindefest wieder zu hören sein. Ermöglicht haben dies viele Helfer und Spendengelder. Allen voran der ehrgeizige Pfarrer der Gemeinde, Joachim Boekels.

"Es begann wohl irgendwann mit Lausbubenstreichen", vermutete er. Kleine freche Jungen aus dem Dorf, die wohl einst ein paar Pfeifen abmontiert hätten, um vielleicht den Kantor zu ärgern, so könnte es gewesen sein, überlegte er.

"Wenn eine Orgel nicht regelmäßig gespielt und so überprüft wird, dann bekommt man so was eben nicht mit, und so läpperten sich die Schäden über die Jahre wohl einfach zusammen", erzählte Boekels. Nur von außen war und ist das alte Instrument ein Schmuckstück mit seinem hübschen Blumenmuster und den Bemalungen.

Markus Voigt aus Bad Liebenwerder ist Orgelbaumeister in der vierten Generation. Er hat schon viele Kirchenorgeln in den umliegenden Dörfern zu neuem Glanz verholfen. Gestern bekam nun die verstummte Orgel in Petkus neue Pfeifen.

"Wir haben die Cello-Pfeifen mitgebracht. Sie sind nach alter Handwerksart extra aus Zinn angefertigt und vorgestimmt worden, damit sie so originalgetreu wie möglich nach einem Cello klingen", berichtete Markus Voigt.

Bereits im März hatte er mit seinen beiden Mitarbeitern mit der Restauration der Orgel begonnen. Besonders die Holzbauteile benötigten dringend erhaltende Maßnahmen und wurden so gut es ging von den Spuren der Schädlinge befreit.

Mehr als 500 Orgelpfeifen mussten dann einzeln abgebaut, inspiziert und restauriert werden. Jede einzelne wurde dabei auf Dellen und Risse hin kontrolliert. Insgesamt 67 Orgelpfeifen hatten komplett gefehlt. "Die werden jetzt wohl bei irgendwelchen Leuten zu Hause in der Schrankwand stehen", vermutete Voigt.

Die Finanzierung der aufwendigen Orgelreparatur konnte nur mit Hilfe von Spendengeldern und Fördermitteln ermöglicht werden. Die Gesamtkosten belaufen sich auf 17 000 Euro. (Von Kathrin Burghardt)

Märkische Allgemeine vom 20. August 2011

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