Viel Beifall für zerbrochenen Krug

Array (moz) Neu Zittau (kdr) Seit zehn Jahren gibt "Theater in der Kirche" jungen Schauspielern die Möglichkeit öffentlicher Auftritte und setzt durch diese in Dorfkirchen kulturelle Lichtpunkte. Seit acht Jahren ist die Truppe Gast in Neu Zittau zum Proben und für die Premiere. Im Kleistjahr wurde am Sonnabend in der leicht straffenden Inszenierung von Heidi Walier "Der zerbrochene Krug" vorgestellt.

Der verliebte Dorfrichter Adam will bei der reizenden Eve ein Stelldichein erzwingen, dabei geht ein Familien-Erbstück, "der Krug", zu Bruch. Der Verursacher will allen Verdacht von sich lenken und stolpert in ein kaum zu entwirrendes Lügengespinst. Julia Mösch ist eine Eve zum Verlieben, in all den Verwicklungen, in die sie unverschuldet gerät und aus denen sie schier keinen Ausweg mehr zu finden scheint. Ihren geliebten knurrigen Ruprecht gibt Tobias Grabowski mit dem selbstgefälligen Anspruch auf rechthaberisches Poltern.

Elena Brückner als durch nichts zu beirrende Anklägerin Marthe Rull kämpft wacker um das Recht für ihren zerstörten Krug und die Ehre ihrer Tochter. Nico Walier hat als Gerichtsrat Walter Ordnung in das so genial geformte Verwirrspiel zu bringen. Constantin Gieseler als Schreiber ist der kritisch durchschauende, souveräne Ko-Akteur des Dorfrichters, den Milos Kostic beinahe mehr lebt als spielt: Er ist wie Kleist ihn sieht ein Mensch aus Fleisch und Blut, der zwischen die Fronten aus Emotion und Amtsmissbrauch gerät, in einen Konflikt, den er aufklären soll. Was im Stück am Ende gründlich misslingen muss er flüchtet, blamiert, entlarvt. Am Ende können sich auch die Liebenden, Eve und Ruprecht, endlich in die Arme fallen. Nicht enden wollender Beifall war der erste Lohn und perfekte Start in die Tournee.

Märkische Oderzeitung vom 22. August 2011

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