Tippeln für St. Nikolai

BAUEN: Weil die Sanierung des Wildberger Kirchturms 30 000 Euro teurer wird als geplant, sammelt die Gemeinde jetzt Spenden

WILDBERG - Das Oberstübchen muss trocken bleiben. Komme, was wolle. Selbst das gewaltige Loch, das im Kostenplan für die Sanierung des Wildberger Kirchturms klafft, darf die Bauarbeiten nicht mehr aufhalten. "Uns fehlt eine Menge Geld, aber wir haben uns entschieden, trotzdem zu Ende zu bauen", sagt die Pfarrerin Ann-Katrin Hamsch. Das Turmdach könne schließlich nicht offen bleiben. "Die Sanierung kostet fast 30 000 Euro mehr", sagt die Pfarrerin. "Mit null kommt man bei so einem Projekt zwar so gut wie nie raus. Aber zehn Prozent der geplanten Kosten das ist schon üppig." Und woher nur soll die Kirchengemeinde so viel Geld nehmen?

30 000 Euro schon einmal hat die Gemeinde diesen Betrag zusammengetragen. Die insgesamt 300 000 Euro teure Sanierung des Turms von St. Nikolai war nur mit Fördermitteln möglich um sich allerdings diese Unterstützung des Landes und der Landeskirche zu sichern, musste die Kirchengemeinde aus eigener Kraft 30 000 Euro aufbringen eine Leistung, auf die die Wildberger stolz sind. Viele Jahre haben sie Spenden gesammelt und auf die Turmsanierung gespart. Jetzt stehen sie wieder am Anfang, müssen den Betrag jedoch in Windeseile herbeischaffen.

In der nächsten Woche gehen die Mitglieder der Kirchengemeinde daher tippeln. Sie werden in Wildberg von Straße zu Straße und von Haus zu Haus ziehen und persönlich um Spenden bitten. Wenn sie klingeln, kommt es auf jeden Cent an.

An drei Punkten knirscht es im Kostengebälk des Wildberger Kirchturms. "Zunächst hat der Statiker das Baugerüst nicht abgenommen", sagt Ann-Katrin Hamsch. Bevor sich also die Dachdecker und Zimmerleute über den Turm hermachen konnten, musste das Gerüst mit riesigen Stahlträgern und Stahlseilen im Inneren der Kirche verstärkt werden. Während der Sanierung offenbarte sich dann, dass die Holzschäden der Turmkonstruktion stärker sind als zunächst angenommen und die Reparaturen daher aufwendiger als gedacht. Ein drittes Problem förderten schließlich die Dachdecker zutage: Die Pappe, die sie unter den ausrangierten Schieferschindeln fanden, war hochgiftig. "Das belastete Material musste speziell entsorgt werden, die Arbeiter mussten unter besonderen Vorkehrungen und in Schutzanzügen arbeiten auch das hatte zuvor keiner geahnt."

Natürlich können die Wildberger jetzt einfach für den guten Zweck und für den Erhalt ihres Wahrzeichens in die Börse greifen. Aber die Kirchengemeinde hat da noch etwas. Gemeinsam mit dem Ortschronisten hat sie für einen besonderen Spenden-Anreiz gesorgt. Egbert Zemlin hat in den vergangenen Wochen ein Büchlein zusammengestellt, für das er die historischen Dokumente abgetippt hat, die in der Turmkugel gefunden wurden. Verfeinert hat er das Heft mit der Chronik von 1962 bis heute und vielen Fotografien.

"Dieses Büchlein ist auch für Nicht-Wildberger spannend", schwärmt die Pfarrerin. Mehr als 100 Seiten zählt das Werk. Erstmals wird es bei der Straßensammlung in der kommenden Woche verkauft. Es ist aber auch danach erhältlich, etwa zum Festgottesdienst zur Wiedereinweihung des Turmes am 25. September. Finanzlücke hin oder her. "Der Termin steht", sagt Ann-Katrin Hamsch. (Von Nadine Fabian)

Märkische Allgemeine vom 24. August 2011

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