Zwiebelhelm fürs Kirchturmdach

von Manfred Drössler

 
Pfarrer Norbert Merten befüllte die Kugel der Turmbekrönung mit Zeitdokumenten, dazu gehörten auch Münzen.
Manfred Drössler

RODDAN - Mit dem Aufsetzen von Turmschaft samt Zwiebelhelm wird der bauliche Zustand des Roddaner Kirchturms von 1912 wieder hergestellt. Gestern fand das Richtfest statt. In den nächsten Wochen werden die Gefache des Turmschaftes ausgemauert und die noch fehlenden Dachziegel an der Lattung des Helms befestigt.

Zur Eindeckung orderte die mit den Arbeiten beauftragte Dachdeckerei Kreuzmann aus Potsdam zirka 1000 Biberschwänze als Sonderanfertigung bei einem Hersteller in Bayern - neben geraden auch nach außen und nach innen gewölbte Turmbiber, die sich der Form der zwiebelartigen Turmspitze anpassen.

Den Abschluss bildet eine Kupfer-Stehfalzeindeckung, auf deren Spitze die Wetterfahne mit Kugel als Krönung aufgesetzt wird. Kugel und Wetterfahne wurden übrigens von Jugendlichen der Jugendbauhütte Berlin Brandenburg während eines Metallschmiedeseminars in Handarbeit hergestellt. Anleitung gaben die Schmiede- bzw. Kupferschmiedemeister Michael Soika und Mathias Weber.

Gotteshaus sollte 1977 abgerissen werden

In die Kugel selbst versenkte Pfarrer Norbert Merten Zeitdokumente, darunter die gestrige Ausgabe des "Prignitzers", sowie aktuelle Geld- und Münzausgaben. Dafür ließ die betreuende Bauingenieurin Annette Schulze den Hut herumgehen. Wie der Kirchturm übrigens vor 1912 aussah, ist unbekannt. Bekannt ist nur, dass 1808 eine Feuersbrunst den westlichen Teil des Dorfes heimsuchte und wohl auch das Dach der Kirche nicht verschonte. Dass dies vor der Ziegeleindeckung vermutlich mit Reet bedeckt war, darauf deuten im Innern zusätzlich eingezogene Deckenbalken hin, die nötig wurden, um die größere Last des späteren Ziegeldaches zu tragen.

Für den Wiederaufbau des Turmhelms nach der Bauzeichnung von 1912 hatten sich 1994 bereits 41 Roddaner per Unterschrift ausgesprochen, als die alten Unterlagen gefunden wurden. Doch zuerst galt es, den Baukörper insgesamt zu retten, auch der Innenraum bot ein Bild der Verwüstung. Die letzte grundlegende Renovierung war 1937/38 erfolgt, in den Jahrzehnten danach verfiel die Kirche. Der baufällige Zustand führte schließlich dazu, dass im März 1977 innerhalb der Kirchengremien ein Beschluss zum Abriss gefasst wurde. Eine Denkmalschutzerklärung im August des gleichen Jahres verhinderte jedoch dessen Umsetzung. Vermutlich besann man sich behördlicherseits darauf, dass die Roddaner Fachwerkkirche bereits 1918 in die Denkmalliste des damaligen Kreises Westprignitz aufgenommen worden war.

Ausstellung informiert über Sanierungsarbeiten

Mehr als lobenswert ist, was die Kirchengemeinde mit Unterstützung aller Roddaner, dank Fördermitteln, Spenden, Unterstützung des Kirchenkreises Havelberg-Pritz walk sowie anderer Zuschüsse seit Mitte der 90er Jahre vollbrachte. Über die vielen kleinen und großen Schritte bis zur letzten Innenrestaurierung, der Deckenmalerei im Jahre 2006/07, informiert eine Ausstellung im Innern der Kirche. Höhepunkt war das Kirchweihfest zum Tag des offenen Denkmals am 9. September 2007.

Jetzt folgt der Turmhelm als Krönung, möglich gemacht durch Gelder des Kirchenkreises, der Sparkassenstiftung, Eigenmittel und private Spenden. Die Gesamtkosten belaufen sich auf rund 35 000 Euro. 1997 war der Unterbau, auf den als Übergangslösung ein Satteldach gesetzt wurde, bereits so hergerichtet worden, dass der Turmhelm darauf passt.

Der Prignitzer vom 27. August 2011

   Zur Artikelübersicht