Der Dachstuhl ist hin

BERATUNG: Der Kirchturm in Blandikow hat verschiedene Schäden / Die Beseitigung würde insgesamt rund 120 000 Euro kosten

BLANDIKOW - 120 000 Euro würde die Sanierung des Kirchturmes in Blandikow kosten. Die Kirchengemeinde hat aber nur 15 000 Euro. Das ist die harte Realität. Wie diese Situation trotzdem in den Griff zu bekommen ist, darum ging es kürzlich bei einem Vor-Ort-Termin, an dem neben einigen Blandikowern auch Pfarrer Berthold Schirge aus Papenbruch und Frank Fischer vom Ingenieurbüro für Baustatik und Sanierungsplanung (IBS) aus Dahlwitz-Hoppegarten teilnahmen. Das Büro erstellte ein Baugutachten für den Turm, das nun vorliegt.

Ergebnis: Am Turm gibt es gleich mehrere Probleme. Das größte und teuerste betrifft den Dachstuhl, der laut Fischer "massive Schäden" aufweist. Er sprach von Braunfäule und Nassfäule, die der Holzkonstruktion bereits übel zugesetzt hätten. Allein diese Sanierungskosten würden etwa 70 000 Euro betragen. Laut Fischer wären die Arbeiten am Dachstuhl vorrangig.

Dabei war das Baugutachten aber eigentlich wegen der Risse in Auftrag gegeben worden, die sich an allen Wänden befinden, aber vor allem an der Eingangsseite des Turmes besonders auffallen. Sie ziehen sich von den Fenstern senkrecht nach unten, was ein Indiz dafür sei, dass nicht Setzungen im Baugrund dafür verantwortlich sind, denn dann würden sie eher schräg verlaufen. Einen Grund für diese Risse konnte auch Fischer nicht mit Sicherheit nennen. "Wir haben keine Lösung gefunden." Möglich sei aber, dass die Schwingungen, die die Glocke beim Läuten verursacht, sich nicht mit dem Mauerwerk vertragen und das Ganze sich "aufschaukelt". Daher empfiehlt der Fachmann ein Schwingungsgutachten. Damit könne das schnell geklärt werden, und die Kosten wären überschaubar. Sollte das tatsächlich so sein, würden zudem auch schon minimale Veränderungen im Glockenstuhl genügen, um die Sache zu beheben. Die Risse einfach zu schließen, ohne die Ursache erforscht zu haben, sei dagegen nicht sinnvoll, weil sie dann höchstwahrscheinlich direkt daneben wieder auftreten würden. Immerhin brächten die Risse aber nicht die Statik in Gefahr.

Handlungsbedarf besteht aber auf jeden Fall. Da die veranschlagten rund 120 000 Euro für eine Komplettsanierung des Turmes nicht bezahlbar sind, könnte zumindest eine Notsicherung für wenig Geld stattfinden. Laut Fischer würde es schon ausreichen, den Eingangsbereich mit einer vorgezogenen Holzverkleidung zu versehen, um zu verhindern, dass eventuell herunterfallende Steine jemanden verletzen könnten. Immerhin finden in der Kirche öfter Konzerte statt, die mitunter von Hunderten von Menschen besucht werden. Bisher kam dort zwar noch niemand zu Schaden, aber ein Gast der Beratung berichtete, dass er es schon erlebt habe, wie ein halber Stein herunterstürzte. "Kurz zuvor hatte es gefroren", sagte er.

Das Material für die Notsicherung hoffen die Blandikower gesponsert zu bekommen. Sie denken daran, die Firma Krono in Heiligengrabe deshalb anzusprechen.

Gleichzeitig wollen sie das große Ziel der Sanierung jedoch nicht aus den Augen verlieren. Zunächst soll versucht werden, alle möglichen Fördertöpfe anzuzapfen zum Beispiel über Leader oder den Staat-Kirche-Vertrag, der zwischen der Landeskirche und dem Land Brandenburg besteht. Inwieweit es letztlich gelingen wird, entsprechende Mittel zu bekommen, ist zurzeit noch ungewiss. Allen Beteiligten ist klar, dass sich der ganze Prozess über viele Jahre erstrecken wird.

Die Teilnehmer an der Runde in Blandikow einigten sich darauf, künftig regelmäßige Treffen in ähnlichem Rahmen stattfinden zu lassen, um das Projekt Kirchturm auf mehrere Schultern zu verteilen und sich über aktuelle Entwicklungen rund um das Thema auf dem Laufenden zu halten. (Von Björn Wagener)

Märkische Allgemeine vom 02. September 2011

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