Im Turm hängen drei Stahlglocken

KIRCHE: Siethener Gotteshaus besitzt viele bemerkenswerte Schätze und eine interessante Geschichte

SIETHEN - Mit dem restaurierten Turm und dem noch strahlend weißen Ziffernblatt der Uhr unter dem Schutzhäubchen zieht die Siethener Kirche (Feldstein, 13./14. Jh.) die Blicke auf sich. Gleichzeitig sieht man, dass am eingerüsteten Schiff unter dem neuen Ziegeldach noch gearbeitet wird.

Nach zwei Bauabschnitten will die evangelische Gemeinde im Herbst die Außensanierung abschließen. Innen wurde bereits restauriert. Wie das so ist, wenn man ein altes Haus renoviert, traten Schäden zutage, die die Siethener nicht ahnten und die die Bauzeit verlängerten, zusätzliches Geld erforderten. Wie zuletzt die Dach tragenden Innenbalken des Schiffs, die auf beiden Seiten Hausschwamm hatten und vollständig erneuert wurden. Siethen hat für sein Gotteshaus einen rührigen Förderverein, der auch überregional ausgezeichnet wurde. Die Gruppe arbeitet dynamisch, patent und pfiffig. Dabei sind die Mitglieder in ihrer Art sehr verschieden und Pfarrer Peter Collatz lobt das große Engagement und Geschick der Vereinsvorsitzenden Yvonne Wendtland, mal sanft, mal druckvoll zu agieren. Collatz weiß, wovon er spricht. Seit 1985 ist er im Pfarrsprengel Ahrensdorf, zu dem auch Siethen gehört. Er kennt den beklagenswerten Zustand der Dorfkirche, die zu DDR-Zeiten im Kircheneigentum war. Der Boden und der Friedhof darum befanden sich im kommunalen Besitz. Eine solche Trennung von Immobilie und Boden gab es dem Gesetz nach 1990 nicht mehr. Die Kirchengemeinde übernahm den Friedhof und die damit verbundenen Pflichten. Dafür beteiligte sich die Stadt Ludwigsfelde an der Sanierung der Kapelle an der nördlichen Friedhofsmauer. Ein außen wie innen wunderschönes Refugium ist daraus geworden. Patronin Johanna von Scharnhorst ließ es um 1860 als Grabkapelle und Leichenhalle mit vier Kammern zum Gedenken an ihre Tochter Johanna erbauen: die war früh an Typhus gestorben. Damit die Siethener ihre Toten im Falle einer Epidemie nicht zu Hause behielten, sollten sie sie der Ansteckungsgefahr wegen in der neuen Grabkapelle aufbahren. Mutter und Tochter Scharnhorst hatten viele solche mildtätigen Werke für die Bauern und Büdner in der Region vollbracht, auch den Bau der Kinderbewahranstalt Tabea-Haus, das heute noch als Kindergarten existiert.

Allein die fest in der Tradition stehenden Siethener dachten gar nicht daran, ihre Toten oder ihre Kinder in fremde Hände zu geben. Johanna von Scharnhorst hat ein würdiges Grab mit Kreuz und Skulptur auf dem Friedhof gefunden: sie blickt noch heute in die Kirche. Im Kirchturm hängen drei Stahlglocken von 1920, die die Namen der Patrone von Schlabrendorf tragen: Gottfried, Hermann und Werner.

Als 2008 das Läuten der Glocken untersagt wurde, weil der Turm marode war, kam es zur Gründung des Fördervereins. Eine Notreparatur erlaubte dann, eine Glocke wieder mit der Hand zu läuten. Inzwischen ist ein reges Kulturleben mit Konzerten, Wanderungen, Führungen und Festen in und um die Kirche entfacht. Die Kirchengemeinde bleibt mit 99 Mitgliedern seit zwei Jahrzehnten konstant. Pfarrer Collatz findet, dass "aktives warten können" für "seine" Siethener bezeichnend ist: günstige Gelegenheiten im geistlichen, im finanziellen, im menschlichen wie im baulichen Sinne finden, statt vorzupreschen. (Von Andrea von Fournier)

Märkische Allgemeine vom 03. September 2011

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