Raubritter und schöne Madonnen

Von: Katharina Wiechers, dapd

 
Eine Maria-Holzskulptur, die aus der Dorfkirche in Pitschen stammt und in die Zeit des frühen 15. Jarhunderts datiert wird, steht in der Ausstellung "Märkische Kunst - Bilderwelt des Mittelalters" im Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte.
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Ein Überblick über die spätmittelalterliche Kunst in der Mark Brandenburg wird erstmals in Potsdam präsentiert. Ab heute zeigt das Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte (HBPG) zahlreiche Skulpturen und Tafelbilder aus der Zeit des 14. und 15. Jahrhunderts. Obwohl damals viele wertvolle Kunstwerke entstanden seien, sei dies das erste Projekt dieser Art, sagte Kurator Peter Knüvener.

Jahrelang sei er durch die ehemalige Mark Brandenburg gereist, also durch das heutige Bundesland, die zu Sachsen-Anhalt gehörende Altmark und die einstige Neumark, die heute zu Polen gehört, erzählte der Kurator. Das Ergebnis ist eine Sammlung aus Leihgaben zahlreicher Museen und Kirchen. Einige der Werke wurden eigens für die Ausstellung "Märkische Kunst - Bilderwelt des Mittelalters" restauriert.

So zum Beispiel zwei Holzfiguren aus dem Jahr 1370, die bis 2007 völlig unbekannt waren und auf dem Dachboden des Heimatmuseums in Dahme lagerten, sagte Knüvener. In aufwendiger Kleinstarbeit sei die teils schon abgebröckelte Farbe fixiert und das Holz gereinigt worden.

Ebenfalls restauriert wurde in Teilen ein Hochaltar aus der Nähe von Bernau, der das optische Herzstück der Ausstellung bildet. Dieser sei zwar erst nach der Reformation 1530 entstanden, nehme aber eindeutig Bezug auf das Spätmittelalter und habe auch kleine Skulpturen aus dem 15. Jahrhundert integriert, erklärte der Kurator. Die im 19. Jahrhundert nach damaligem Geschmack braun übermalten Figuren wurden nun wieder freigelegt und die bunte Originalbemalung sichtbar gemacht. Weitere Arbeiten sollen bei laufendem Ausstellungsbetrieb vorgenommen werden, um interessierte Besucher mit den Methoden der Restaurierung vertraut zu machen.

Die Ausstellung "Märkische Kunst - Bilderwelt des Mittelalters", die bis zum 8. Januar 2012 zu sehen ist, ist ein Projekt des regionalen Ausstellungsverbundes. Anlässlich des 600. Jahrestages des Beginns der Hohenzollern-Herrschaft in Brandenburg haben sich dazu das HBPG, das Märkische Museum in Berlin, das Museum Bischofsresidenz Burg Ziesar und die Stadt Brandenburg/Havel zusammengeschlossen. Unter dem Motto "Raubritter und schöne Madonnen" präsentieren sie verschiedene Ausstellungen.

Der Prignitzer vom 09. September 2011

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