Wetterfahne dreht sich auf Zwiebelturm

DENKMAL: Roddaner Kirche bekommt ihr Wahrzeichen zurück / Arbeiten bald fertig

RODDAN - "Klingt wie das große Halali", sagt Mike Kreuzmann lachend. Der Wind entlockt nicht nur dem Baugerüst am Roddaner Kirchturm jagdhornartige Töne, er lässt es auch nicht unbeträchtlich schwanken. Doch das macht den Handwerkern von der Potsdamer Firma Kreuzmann ebenso wenig etwas aus, wie den Maurern der Bad Wilsnacker Firma Nickel und Wegner, die eine Etage tiefer die Gefache des neuen Turms mit Ziegeln ausmauern.

Lange hat es gedauert, bis die Mittel für den neuen Turmhelm im Volksmund Zwiebelturm genannt aus Spenden zusammengekommen sind. (MAZ berichtete) Doch nun, kaum dass die Arbeiten begonnen haben, streben sie auch schon wieder dem Ende zu. "Wind macht uns weniger zu schaffen als der Regen", sagt Mike Kreuzmann. Er hebt die kupferne Wetterfahne samt Kugel an und sagt: "So hoch etwa kommt die Turmspitze, wenn der Schaft fertig ist."

Der Schaft wiederum wird am Boden vormontiert, wobei das Kupfer "gespenglert" wird, wie Dachdeckermeister Kreuzmann sagt. "Das ist der fachlich korrekte Begriff, wobei vielfach auch von Klempnern die Rede ist", erklärt der Handwerksmeister.

Ob gespenglert oder geklempnert, die Arbeit verlangt einiges an handwerklichem Können und Flexibilität. Laut ursprünglichem Plan sollte der neue Schaft in einer Art Wickeltechnik entstehen. Doch jetzt hat sich Mike Kreuzmann doch für eine etwas kantigere Lösung entschieden, bei der die einzelnen Blechstücke die Form des sechseckigen Turmes fortführen und mit Nieten verbunden werden.

Doch die Turmspitze und ihr Schaft sind nur die Krönung der Maurer- und Dachdeckerarbeiten. Um dem im Jahr 1912 errichteten Zwiebelturm wieder in neuer Schönheit erstehen zu lassen, war ein Holzgerüst nötig, das der Wittenberger Zimmermeister Olaf Arndt gebaut hat. Zusammengehalten wird es ganz der Tradition und dem Denkmalschutz verpflichtet nur von Holzzapfenverbindungen. Die Dachhaut wiederum besteht aus Türmchenbiberschwänzen, einer speziellen Sorte von Dachziegeln, die alle einzeln zugeschnitten werden mussten. In der nächsten Woche sollen die Arbeiten am Turm abgeschlossen werden.

"Doch leider zeigte sich, dass die Gefache des Turms, die in den 1990er Jahren gebaut wurden, lose waren. Wir mussten sie notsichern", sagt der Rühstädter Pfarrer Norbert Merten, der für die Gemeinde Legde/Roddan zuständig ist. Zudem sind einige Schwellen am Turm in keinem guten Zustand, sodass trotz der vielen Bemühungen um die Sanierung der Roddaner Kirche auch in den nächsten Jahren noch genügend zu tun bleibt. "Die Mittel sind erst einmal ausgesschöpft", sagt der Pfarrer, "wir müssen beratschlagen, wie wir diese Mängel an der Bausubstanz der Kirche beseitigen." (Von Andreas König)

Mühseliger Weg zur Spitze:

Knapp 40 000 Euro kostete der Wiederaufbau des neuen Turms der Roddaner Kirche. Der zwiebelförmige Turmhelm entstand im Jahr 1912. In der 1980er Jahren war die Konstruktion mangels Pflege nicht mehr zu halten. Als Notvariante blieb ein Turm ohne Spitze.

Die Gemeinde wollte den Turm in der Zwiebelform wiederhaben und sammelte Spenden. 3500 Euro kamen so zusammen. Weitere 5000 Euro steuerte die Jugend- und Kulturstiftung der Sparkasse Prignitz bei, 2500 der Kirchenkreis Havelberg-Pritzwalk, den Rest die Gemeinde aus Rücklagen. Akö

Märkische Allgemeine vom 10. September 2011

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