Und ewig grüßt die Wetterfahne

Ziethen (MOZ) "Wenn die Glocken nicht läuten, ist es, als ob man einen Hund zu Grabe trägt", sagt Hannelore Lunk. Weshalb sich die Groß Ziethenerin sehnlichst wünscht, dass wieder geläutet werden darf. Wegen der Baufälligkeit des Kirchturmes war im vorigen Jahr ein Verbot ausgesprochen worden. Demnächst könnte es aufgehoben werden. "Das wäre wirklich das Wichtigste", bekräftigt die 79-Jährige. "Immerhin haben wir drei Glocken."

 
Historischer Moment: Planer Martin Krassuski (r.) montiert die neue Wetterfahne am Kirchturm von Groß Ziethen. Die alten Teile waren völlig zersetzt.
© MOZ/Thomas Burckhardt

Die erste Etappe bei der Sanierung des Gotteshauses steht kurz vor ihrem Abschluss. Am Freitagnachmittag erhielt die Groß Ziethener Kirche eine neue Turmbekrönung. Das Aufsetzen selbst verlief zwar völlig unspektakulär dank des eingerüsteten Turmes. Für die französisch-reformierte Kirchengemeinde, zu der auch Klein Ziethen und Senftenhütte gehören, war es dennoch ein denkwürdiges Ereignis.

Viele Mitglieder, wie Hannelore Lunk oder Anne Krüger, wollen deshalb unbedingt dabei sein, wenn der Planer Martin Krassuski, Pfarrerin Heike Schulze und die Handwerker die Hülse für die Kugel füllen. Zumal die alte Bekrönung, die im Juni geborgen wurde, und deren Inhalt völlig zerbröselt waren.

Dieses Schicksal soll den Zeugnissen von heute erspart bleiben. Münzen, Zeitungsartikel, Kostenschätzung, Baupläne und Gemeindebrief verschwinden in einer stählernen, gut gesicherten Kartusche. Steffen Weber präsentiert die neue Wetterfahne mit den Jahreszahlen 1717, aus dem Jahr stammt die Turmkonstruktion, und 2011. Dann geht es mit der kupfernen Kugel und der stilisierten Lilie, dem Christus-Symbol, hinauf. Unter dem Beifall des Presbyteriums, des Gemeindekirchenrates, montieren die Handwerker die Bekrönung. "Und im Spätherbst, wenn der erste Abschnitt fertig ist und die Glocken wieder läuten, feiern wir einen Gottesdienst", kündigt Ina Schwert, die Vorsitzende des Presbyteriums, an.

Darauf freut sich Hannelore Lunk schon jetzt. "In dieser Kirche wurde ich getauft und konfirmiert. Hier habe ich 1953 geheiratet", erzählt die 79-Jährige, die hugenottischer Abstammung ist, wie ihr Mädchenname Manoury verrät. Auch wenn die Arbeiten noch nicht ganz abgeschlossen sind, "die Kirche sieht jetzt wieder richtig schön aus", sind sich Lunk und die anderen Gemeindemitglieder einig.

Eine Besonderheit des Gotteshauses sei die große Anzahl der Schallluken, bestätigt Planer Krassuski. "Immerhin 20." Die Wiederherstellung dieser Luken Grundlage dafür waren alte Unterlagen und Fotos sprengte zunächst den finanziellen Rahmen. Die Kirchengemeinde initiierte deshalb Patenschaften. "Bis auf vier sind alle vergeben", so Krassuski.

Nachdem das gesamte Turmfachwerk, einschließlich der Decken, saniert worden ist, stehen jetzt nur noch Restleistungen aus. Unter anderem sind die Dachdecker am Werke. "In etwa zwei Wochen soll die Rüstung fallen", so die Handwerker.

Der erste Bauabschnitt hat ein Volumen von rund 130 000 Euro. Für die Sanierung fließen Mittel über den Staatskirchenvertrag. Die Groß Ziethener war in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts als Feldsteinkirche errichtet worden.

Märkische Oderzeitung vom 10. September 2011

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