Platz fürs neue Glockenwerk

KIRCHE: "Offene Bauberatung" mit Bläsern und Kaffeetafel zum Ende der Turmsanierung in Schlenzer

SCHLENZER - Posaunenchor und Kaffeetafel lockten vors Gotteshaus in Schlenzer. Dem wurde gestern die neugestaltete Wetterfahne aufgesetzt. Bevor Dachdecker Norman Thinius in stürmischer Höhe herumturnte und Dachdeckermeister Jörg Zettl aus Körba den Spieß einfettete, an dem sich die Fahne nun im Wind dreht, erinnerten Architekt Axel Seemann aus Dahlewitz-Hoppegarten, Kirchenältester Thoralf Lau und Pfarrer Joachim Boekels an den Anfang der Sanierung vor zwei Jahren.

230 000 Euro, finanziert unter anderem über Mittel aus dem Staatskirchenvertrag und der Sparkassenstiftung, sind in den zwei Bauabschnitten bereits in die Sanierung für das Dach und den Turm geflossen. "Jetzt bereiten wir den dritten Bauabschnitt vor", sagte der Architekt. Er freute sich über das große Interesse der Schlenzeraner an der "offenen Bauberatung", bei der der Bevölkerung immer gezeigt wird, was geschafft wurde. Dass es dabei Kuchen und belegte Brote gibt, freut nicht nur die Bauarbeiter. Das gute Verhältnis und die Liebe zur Kirche erhöhte wohl auch die Spendenbereitschaft der Einwohner.

4145 Euro kamen für die Kirchturmuhr zusammen, verkündete Pfarrer Boekels stolz. Mindestens genauso froh ist er über die Besonderheiten der Kirche. So entdeckte Restaurator Udo Drott aus Bad Belzig Barock-Ornamente und am Altar sogar welche aus dem 13. Jahrhundert. Die dendrologische Untersuchung ergab, dass der Brand im Dreißigjährigen Krieg nicht alles vernichtet hat. Der älteste Balken wurde auf 1181 datiert das Jahr, in dem der rund 100 Jahre alte Baum, aus dem der Balken stammt, gefällt wurde. Diese Zahl steht nun ebenfalls auf der Wetterfahne, gemeinsam mit 2011 für die aktuelle Sanierung. Auch die Form der Biberschwänze, die Barockmalerei im Kirchenschiff und das Schlagglockenwerk zählen zu den Seltenheiten im Land Brandenburg. Allerdings kann das Glockenwerk "erst jetzt richtig ausschlagen", so der Pfarrer, der über die Dokumente berichtete, die aus den Jahren 1929, 1954 und 1978 in der Turmkugel lagerten. Letzteres verfasste der noch gut bekannte Pfarrer Rolf Briesemeister, der 1998 in den Ruhestand ging und 2010 starb.

Der neue Bericht über das Leben seit 1978 entstand in gemeinsamer Beratung der Gemeindemitglieder. Viel passierte in den wenigen Jahrzehnten. So umfasst die Schilderung die Probleme der Christen in der DDR, die Hoffnungen bei der Perestroika in der UdSSR und die große Angst vor dem Kapital mit der politischen Wende 1989/90. Die Kirche habe zwar einen neuen Stellenwert erhalten, aber Kircheneintritte seien nicht erfolgt stattdessen eine Austrittswelle, weil der Staat nun die Kirchensteuer einfordere. Zu den positiven Veränderungen zählen beispielsweise freie Wahlen und dass seit 1995 jeder einen Telefonanschluss haben kann. Damit in Jahrzehnten noch gut lesbar ist, was die Menschen geschrieben und welche Pfarrer in Schlenzer gewirkt haben, hat Pfarrer Boekels die Berichte laminiert. Mit dieser Plastumhüllung steckte er sie in die Schatulle, die nun wieder in der Kirchturmspitze steckt.

Um diesen Akt der Arbeit vom sicheren Boden aus zu beobachten, hatten sich manche mit Opernglas und Fernrohr vom Kaffeetisch, an dem auch die Bläser um Ferdinand Lüttke kurz pausierten, zum Turm aufgemacht.

In der Kirche werkelte unterdessen der Luckauer Thomas Walter am Schaltkasten der Elektroanlage. Vier Tage hatte er gebraucht, um die Uhr zu restaurieren. Punkt 12 sollte sie über Funksteuerung das erste Mal laut darüber informieren, was die Stunde geschlagen hat.

Der Kirchturm stand übrigens schief. "Der Zimmermann hat den Turm an der Westseite aufgerichtet", so Architekt Axel Seemann. Weil da die Rüstung schon stand, bleibt sie schief. Aber nicht mehr lange. Wenn die Schiefereindeckung fertig ist, wird sie abgebaut.

Da 2012 das Innere saniert wird, organisiert der Förderverein wieder Benefizkonzerte. Das nächste ist schon am Samstag, dem 17. September, um 18 Uhr. Thoralf Lau lädt herzlich dazu ein. (Von Gertraud Behrendt)

Märkische Allgemeine vom 14. September 2011

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