Kornblumen und Ährenkranz

BAUEN: Die Apsis ist Blickfang in der sanierten Woltersdorfer Kirche, die jetzt einen Veranstaltungsraum hat

WOLTERSDORF - Obwohl Handwerker und Restauratorin in der Woltersdorfer Kirche ein Dach über dem Kopf hatten, bekamen sie den verregneten Sommer zu spüren. "Durch die hohe Luftfeuchte hatten wir große Probleme beim Trocknen", sagt Architektin Heidrun Fleege, die sonst sehr zufrieden ist. Die Innensanierung, bei der acht Gewerke involviert waren, ist bis auf Feinarbeiten nach fünfmonatiger Bauzeit beendet. Die Wiedereinweihung der Kirche, die jetzt auch weltlichen Veranstaltungen offen steht, wird am 1. Oktober zum Erntedank mit einem Festgottesdienst und hoffentlich vielen Gästen gefeiert.

Unterhalb der Orgelempore ist ein etwa 30 Quadratmeter großer Versammlungs- und Veranstaltungsraum entstanden. Eine von Müllerbau aus Brandenburg eingepasste Stahl-Glas-Wand ermöglicht den Blick ins gesamte Längsschiff und ebenso auf die Orgel, die sich derzeit in der Werkstatt von Orgelbaumeister Jörg Stegmüller befindet. Daher spielt Kreiskantor Fred Litwinski, der von Jens Naumilkat auf dem Cello begleitet wird, am 1. Oktober auf einem elektronischen Instrument. Das vom Berliner Restaurator Dirk Jacob aufgearbeitete Altarbild "Der Auferstandene" und das Fragment des auf dem Dachboden gefundenen schwebenden Taufengels werden rechtzeitig ihre Plätze einnehmen.

"Ich bin sehr glücklich, dass ich das noch erleben kann, und traurig, hier nicht länger zu arbeiten", sagt Pfarrerin Christiane Beutel, die Anfang 2012 in den Ruhestand geht und seit 1997 die Woltersdorfer Gemeinde mitbetreute. "Es war ein Traum, hier im kleinen Raum zu sitzen und die große Kirche sehen zu können", sagt die Pfarrerin, die zwischenzeitlich Zweifel hatte. "Mit unseren Mitteln hätten wir das nie geschafft." Daher geht ein großer Dank an Bensdorfs Bürgermeister Udo Krüger, Gemeinderat und Amt. Um an Fördermittel für die Innensanierung zu kommen, sprang die Kommune als Bauherr ein und schloss mit der Evangelischen Kirchengemeinde einen Nutzungsvertrag ab. Während über die Integrierte ländliche Entwicklung 102000 Euro flossen, gab die Kommune noch 64 000 Euro dazu.

Auch Helmut Scheer, der dem 2004 gegründeten Förderverein vorstand, freut sich am Ende eines arbeitsreichen Weges. "Ziel war es, dass die Woltersdorfer Kirche saniert wird und das ist nun erreicht." Daher sei der Verein, der allein 55 000 Euro beitragen konnte, inzwischen aufgelöst und befinde sich bis zur Löschung in Liquidation. Von 2005 bis 2007 ließen Kirchengemeinde und Verein mit Hilfe von Fördermitteln aus dem Staat-Kirche-Vertrag und Spenden die Hülle des fast 200-jährigen Gotteshauses für 230 000 Euro sanieren. Scheers letzte Amtshandlung war die Überweisung von 13 200 Euro für das Restaurieren des Altargemäldes.

Nicht nur der "Auferstandene", sondern die gesamte Apsis ist jetzt ein Blickfang. Vorher war sie dunkelbraun angestrichen. Die Brandenburger Restauratorin Jutta Brumme hat die 1899 nach Entwürfen des Berliner Malers P. Brockmüller, von dem auch der "Auferstandene" stammt, entstandenen Ornamente freigelegt, ausgebessert und retouchiert. "Alles in Abstimmung mit der Landesdenkpflege." Zum Vorschein kam auf der Nordseite neben der Kanzel ein abstrakter Ährenkranz mit der Inschrift "Ich bin das Brot des Lebens" (Johannes). Auf der Südseite ein Kranz aus Kornblumen mit den Worten "Kommt, denn es ist alles bereit" aus dem Lukas-Evangelium. Lilien umranken die Apsis-Fenster. Nach Brummes Einschätzung hat diese Ausmalung, die zur landwirtschaftlichen Nutzung auf dem Dorfe passt, überregionale Bedeutung. "Der Gedanke an den Erntedank wird sehr wach."

Wiedereinweihung wird Samstag, 1. Oktober, ab 14.30 Uhr gefeiert. (Von Claudia Nack)

Märkische Allgemeine vom 21. September 2011

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