Goldene Spitzenleistung

BAUEN: In Senzig gibt es viel Zustimmung für den neuen Kirchturm, aber auch einen sichtbaren Protest

 
Der goldene Turm ragt neben dem Gemeindezentrum 18 Meter in die Höhe.
Foto: Andreas Kämper

SENZIG - Der neue Kirchturm in Senzig steht kurz vor seiner Vollendung. Schon jetzt ist das ungewöhnliche Bauwerk in der Chausseestraße ein Hingucker. Schlank ragt der Turm neben dem evangelischen Lukas-Gemeindehaus nach oben. Vom Boden bis zur Spitze misst er 18 Meter. Aber das Besondere an ihm: Er sieht goldig aus.

"Aus Gold ist er natürlich nicht", betont Bauleiterin Bärbel Müller. Nur das Kreuz wurde mit Blattgold beschichtet. Der Turmkörper besteht aus Blech mit einer speziellen Legierung. Umhüllt wird der Turm gerade mit Douglasienbohlen, die von einer Senziger Zimmerei angebracht werden. Das Gold leuchtet durch breite Ritzen. Firmenchef Kurt Schmidt hat eine private Beziehung zu dem kirchlichen Ensemble. "Ich wurde hier eingesegnet", sagt er und führt durch das Haus, das bis 1951 die Gaststätte "Grohmann" war und dann in ein Gemeindehaus umgewandelt wurde. Inzwischen ist es ein modernes Zentrum, in dem auch Kabarettabende, Tanz und Gospelkonzerte stattfinden. Jetzt kommt als I-Tüpfelchen der Turm hinzu, für den mehr als 30 000 Euro gespendet wurden.

Dem Zimmerer gefällt er. "Das ist doch mal etwas anderes", meint er und blickt nach oben zur Spitze. Neben ihm steht Klaus Novak und nickt. "Er passt ins Ortsbild", sagt er. Novak ist zwar kein Kirchgänger, aber er hält es mit dem Spruch: "Jedem Tierchen sein Pläsierchen." Der Turm sorgt für Gesprächsstoff. Wochenend-Senziger Horst Gottfried mag das Schlichte an ihm. Seine Partnerin Heidrun Lehmann fügt hinzu. "Wenn es bei Gottesdiensten, Hochzeiten oder Beerdigungen mal bimmelt, ist es doch ganz schön."

Ha! Da kann Nachbar Norbert Schulze nur bitter lachen. Er ist von dem Kirchturm alles andere als begeistert. Drei Klagen laufen gegen den Bau. Und an Schulzes Giebel prangt ein Plakat: "Kirchturm, nein danke." Schulze, der die Häuser links und rechts neben dem Gemeindezentrum besitzt, schimpft: "Der Turm beschattet meine Photovoltaikanlagen." Außerdem versteht er nicht, warum für den "goldenen Pomp" so viel Geld ausgegeben werde. "Es gehen doch nur sechs bis acht Leute zum Gottesdienst." Er hat schon Bammel vor dem Glockenläuten.

"Wann geläutet wird, legt noch der Gemeindekirchenrat nach einer Läuteordnung fest", sagt Christel Rumpel. Sie sammelte mit einer speziell gegründeten "Turmgruppe" viele Spenden. Nun ist sie glücklich, dass trotz einiger Bauverzögerungen am Montag die Festwoche zur Einweihung beginnt. Im Friseursalon gegenüber wird das Baugeschehen interessiert verfolgt. Friseurin Christiane Schulze, die gerade eine Kundin am Wickel hat, meint: "Der Turm sieht modern aus. Das passt! Man guckt hin." Außerdem komme es jetzt wohl nicht mehr zu Verwechslungen. Früher sei das Feuerwehrhaus mit seinem Turm oft für die Kirche gehalten worden. Damit sei jetzt hoffentlich Schluss. (Von Liane Stephan)

Märkische Allgemeine vom 22. September 2011

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