Benefiz für Mesebergs Kirche

BAUVORHABEN: Das Gotteshaus bedarf dringend einer Sanierung

MESEBERG - Den Besuchern von Meseberg und von diesen gibt es aufgrund des dortigen Gästehauses der Bundesregierung nicht wenig fällt es gar nicht auf. Von außen lassen der neubarocke Turm und das Kirchenschiff auf einen vertretbaren Zustand des Gotteshauses schließen. Wer im Inneren der täglich geöffneten Kirche aber rechts und links hinter den Altar schaut oder die Stufen zur Patronatsloge hinauf steigt, der erkennt, wie viel Feuchtigkeit sich im Mauerwerk verbirgt und welche anderen Schäden Schlimmes befürchten lassen: Ein Loch in der Decke der Loge, Risse im Gemäuer und immer wieder bröckelnder Putz sind eindeutige Warnzeichen. Auch das Holz der Kanzel, die zu dicht am Nordgiebel steht, ist von der Feuchtigkeit bedroht. Restauriert werden muss ein drei mal 5,5 Meter großes Gemälde eines Cranach-Schülers, und Holz- und Sandstein-Epitaphe müssen gesichert werden. Auch die Dachziegel sind nicht mehr die neuesten, ebenso wenig wie der Dachstuhl.

Auf etwa 750 000 Euro schätzen Fachleute die Kosten für eine umfassende Sanierung, weshalb die 80-köpfige Gemeinde um Pfarrer Tobias Ziemann schon seit Monaten kaum eine Möglichkeit auslässt, Geld für den Erhalt des Gemäuers zu sammeln. Am kommenden Sonntag kommt ab 16 Uhr nun ein Benefizkonzert hinzu, das erste dieser Art in Meseberg. Es erklingt im Rahmen der Spendenaktion "Schönheit und Sorgenkind" und soll zur Finanzierung der "immensen Baukosten", so Pfarrer Ziemann, beitragen. Zu Gehör kommen an diesem Nachmittag Werke von Johann Sebastian Bach, Ludwig van Beethoven, Edvard Grieg, Camille Saint-Saens und Johannes Weyrauch. Die Orgel wird Kreiskantor Martin Schubach spielen, die Violine Hans Sendler und die Oboe Tilman Santarius. "Jede Spende hilft", so der Pfarrer und nennt auch Summen, die für ganz bestimmte Arbeiten oder ganz bestimmtes Material notwendig sind: zehn Euro für etwa 20 Dachziegel, 40 Euro für einen Quadratmeter Außenhülle mit Putz oder 250 Euro für einen Sparren im Dachstuhl. Für jede Spende erhalten die Besucher des Konzerts eine Patenschaftsurkunde, ebenso jene Spender, die Geld überweisen.

Im Inneren der Kirche können sich Besucher bereits ein Bild von den ersten Vorarbeiten für eine Sanierung machen. Restauratoren haben Stücke der unter der heutigen Farbe verborgenen Bemalung freigelegt. So war der Altarraum einst wahrscheinlich gleich einem roten wallenden Vorhang ausgemalt. An den Kirchenbänken wurden Reste von grüner und goldener Farbe gefunden.

Mit Blick auf die Sanierung, mit der im kommenden Jahr begonnen werden soll, rechnet die Meseberger Kirchengemeinde mit einem Eigenanteil von 100 000 Euro. Von dieser Summe fehlt noch annähernd ein Drittel. Wegen der Nähe des Bundesgästehauses hat sich der Pfarrer auch an den Bund gewandt. Einigkeit herrschte, dass dem Ortskern von Meseberg ein repräsentativer Charakter zukommt, Geld erhielt die Gemeinde deswegen aber nicht. Jedoch steht der Weg frei für Zuschüsse aus der Integrierten ländlichen Entwicklung.

Die Meseberger Kirche wurde Ende des 14./Anfang des 15. Jahrhunderts erbaut. Aufzeichnungen darüber existieren nicht. Der neubarocke Turm existiert in seiner heutigen Form seit 1892, dem Jahr der letzten großen Renovierung. (Von Wolfgang Gerth)

Märkische Allgemeine vom 23. September 2011

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