Kompromiss für Kirchen gesucht

Altreetz (MOZ) Bei der Sanierung der Kirche von Neulietzegöricke wurden 10 000 Euro des Amtes Barnim-Oderbruch nicht benötigt. Um diese Summe bewerben sich nun die Kirchengemeinden Neuküstrinchen und Neutrebbin.

 
Herausragende Bedeutung für das Oderbruch: Die Kirche Neuküstrinchen.
Foto: MOZ/Oliver Voigt

Am Monatsende wird in den Dorfkirchen von Prötzel und Neulietzegöricke der Abschlussumfangreicher Sanierungen gefeiert. Vormittags wird der Generalsuperintendent in Prötzel erwartet, am Nachmittag im Oderbruch.

Als sich im vorigen Jahr der Geldbedarf in Neulietzegöricke plötzlich und unerwartet um 40 000 Euro erhöhte, hatten die Protagonisten um Gisela Sommer viele schlaflose Nächte, berichtete die Kirchenälteste am Dienstagabend im Amtsausschuss. Das Gremium beschloss, 10 000 Euro außerplanmäßig bereitzustellen. Doch der Gemeindekirchenrat warb weiter Spenden und Fördermittel ein. Weil im Gotteshaus mittlerweile auch kulturelle Veranstaltungen stattfinden, so zum Beispiel drei bis vier Konzerte im Jahr, bekamen sie auch einen Nachschlag an Fördermitteln. "Und schließlich erwiesen sich dann auch Angebote von Firmen als nicht so kostspielig wie vorher veranschlagt", berichtete Gisela Sommer. Fazit: Die Neulietzegöricker können dem Amt die 10 000 Euro zurückgeben. So hatten sie es versprochen für den Fall, dass sie doch nicht gebraucht werden.

Dem Amt liegt nun ein Bittbrief der Kirchengemeinde Neutrebbin vor. Sie bewirbt sich um dieses Geld, um das marode Pfarrhaus zu sanieren. "Kirchen bekommen ihre Sanierung vom Land gefördert, sowohl von der Landeskirche als auch der Landesregierung", begründete die Verfasserin, Amtsausschussmitglied Gerda Reichert, das Schreiben.Das Pfarrhaus hingegen läge in der Verantwortung der klammen Kirchengemeinde.

Doch neben Neutrebbin reckt sich auch Neuküstrinchen nach den 10 000 Euro. Ulrich Köhler sagte: "Ich gehe nicht gerne betteln, aber ich muss es heute und hier machen." Er berichtete von der Sanierung der Kirche, die ihrer Größe wegen Dom des Oderbruchs genannt wird. Köhler versicherte, dass die Kirchengemeinde nach einer Kostenschätzung einen soliden Finanzplan aufgestellt habe. "Doch im Nachhinein haben sich Schäden herausgestellt, die vorher nicht sichtbar waren." Die Mauern der Kirche seien bis zu 1,60 Metern dick. Sie hat auch eine Zwischendecke. Proben hätten einen Befall des Baus mit "schlafendem Schwamm" ergeben. "Aber der Schwamm ist wach, er ist unter der Verschalung im Mauerwerk weitergewachsen. Jetzt müssen viel mehr Balken ausgetauscht werden, als ursprünglich angenommen." Mehrkosten: 60 000 Euro. Zur Verzweiflung in Köhlers Stimme gesellt sich Hoffnung, als er vom Entgegenkommen des Denkmalschutzes spricht: "Die Behörde hat die Auflage, das Dach wieder mit schwarzem Schiefer zu decken, fallengelassen. Sie hat uns freigestellt, Biberschwänze zu verwenden." Hintergrund: Bis 1960 war das Dach mit Biberschwänzen gedeckt. Zwar habe man sich nun 50 Jahre lang an das dunkle Dach gewöhnt. Aber. "Wir haben uns dazu durchgerungen, Biberschwänze zu verwenden und werden dadurch 40 000 Euro einsparen." Ulrich Köhler betonte auch, dass die Kirchengemeinde von Neuküstrinchen alle Fördermöglichkeiten ausgeschöpft habe. Hinzu kommen 13 000 Euro Spenden, die sie noch eingeworben habe. Nun habe es noch ein Finanzierungsloch von 7000 Euro gegeben vorübergehend. Doch hatte die Kirchengemeinde diese Rechnung ohne das Bauordnungsamt des Landkreises gemacht. Denn das erkundigte sich nach dem Erfolg der kulturellen Veranstaltungen in der Kirche. "Da haben wir stolz berichtet, dass wir 900 Gäste begrüßen konnten. Das hätten wir wohl nicht tun sollen, denn es erteilte uns daraufhin Brandschutzauflagen, die uns nun wieder 3000 Euro kosten." Somit hat das Finanzierungsloch von Neuküstrinchen eine Dimension von 10 000 Euro, genau die Summe, die Neulietzegöricke jetzt zurückgab: "Geben Sie Ihrem Herzen einen Stoß", appellierte Ulrich Köhler an den Amtsausschuss.

Märkische Oderzeitung vom 30. September 2011

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