Das Werk ist vollbracht

KIRCHE: Woltersdorfer Gotteshaus öffnet nach Komplett-Sanierung seine Türen

WOLTERSDORF - "Sie ist wunderschön geworden", sagt Angelika Nehmer vom Gemeindekirchenrat. Wie alle eintretenden Besucher lässt sie ihren Blick durch die transparente Glas-Stahl-Wand vom neuen Versammlungsraum bis vor zur Apsis mit der freigelegten Ausmalung von 1899 mit Ährenkranz und Kornblumen wandern. Dass die Woltersdorfer Kirche jetzt auch für weltliche Veranstaltungen offen steht, "war das Beste, was wir machen konnten", sagt sie. "Sonst hätten wir das finanziell nie hingekriegt."

So voll wie am Samstag ist die Woltersdorfer Dorfkirche sonst nur zu Weihnachten. 88 Anwesende feierten mit Festgottesdienst und Einweihungsfest den Abschluss der Komplett-Sanierung. Pfarrerin Christiane Beutel erinnerte an die mühevolle Wegstrecke, auf der man spannende Augenblicke erlebte, aber auch nahe dran war, die Hoffnung aufzugeben. Im Vordergrund stand am Samstag der (Ernte)Dank. "In den Bau sind viel Arbeit, Geld und Fantasie geflossen." Trotz anfänglicher Widerstände und Bedenken sei es richtig, dass die Kirchentüren jetzt nicht nur Gottesdienstbesuchern offen stehen. "Die gemeinsame Nutzung wird uns weiterbringen", so Beutel und forderte symbolträchtig alle Gäste auf, eine Menschenkette zu bilden, um die 1827 wiedererrichtete Kirche zu umarmen.

Um nach der 230 000 Euro teuren Hüllensanierung, die Kirchengemeinde und Förderverein mit Hilfe von Mitteln aus dem Staat-Kirche-Vertrag und Spenden bestritten, nach dreijähriger Pause auch die Innensanierung in Angriff nehmen zu können, wurde mit der Gemeinde Bensdorf ein Nutzungsvertrag abgeschlossen. Während aus dem Topf der Europäischen Union für die Entwicklung des ländlichen Raums 102 500 Euro kamen, legte die Kommune 57 500 Euro darauf. Allen am Gemeinschaftswerk Beteiligten galt der Dank: den Handwerksfirmen und Restauratorin Jutta Brumme, dem Gemeinderat und Bürgermeister Udo Krüger, dem Amt Wusterwitz, der Kirchengemeinde, Pfarrerin Christiane Beutel und dem Förderverein, der LAG "Fläming-Havel" und dem Landtagsabgeordneten Andreas Kuhnert, der half den Weg zu den Fördermitteln zu ebnen. Zwei erfuhren eine besondere Würdigung: Die liebevoll als "Mutter der Architektur" bezeichnete Heidrun Fleege, die vor zehn Jahren bei klirrender Kälte die ersten Pläne für die Woltersdorfer Kirche geschmiedet, aber auch manche Stunde über dem Projekt geschwitzt habe. "Wir haben dem Denkmal eine weitere Schicht hinzugefügt", so die Architektin. Unendlich viel Geduld hatte Fördervereinschef Helmut Scheer, der etliche Bittbriefe schrieb. Da der Verein, der allein 55 000 Euro beitragen konnte, sein Ziel erreicht hat, wurde er nach sieben Jahren aufgelöst. Auch der Anteil von Altpfarrer Lothar Helbig, der ein Grußwort schickte, und der damaligen Kirchenältesten wurden nicht vergessen. Sie machten sich zu DDR-Zeiten gegen einen Abriss der baufälligen Dorfkirche stark. (Von Claudia Nack)

Gemeinschaftlich

Claudia Nack freut sich mit den Woltersdorfern und wünscht ein reges Gemeindeleben

Als vor zehn Jahren das Architekturbüro Fleege und Oeser erste Pläne für die Sanierung der Kirche Woltersdorf schmiedete, brauchte man viel Fantasie, um sich das Endergebnis vorzustellen. Der lange Atem hat sich gelohnt. Dass die 1827 eingeweihte Kirche, die auf Geheiß der Familie von Werner als Ersatz für ein aus dem 16. Jahrhundert stammendes Gotteshaus errichtet wurde, jetzt rundum erstrahlt, ist ein Gemeinschaftswerk. Um auch für die letzte Etappe an Fördermittel zu kommen, sprang die Kommune als Bauherr ein wie vor Jahren beim Altbensdorfer Gotteshaus. Ohne Nutzungsvertrag, Fördergeld und Sponsoren, wozu neben kleineren Spendern die Rudolf-August-Oetker-Stiftung und Sparkasse gehörten, hätte eine so kleine evangelische Kirchengemeinde mit 85 Gliedern ein so großes Vorhaben nicht schultern können. Die Erkenntnis, sich zu öffnen, ist von unten gewachsen, wenn auch langsam. Denn den Woltersdorfern liegt ihr Wahrzeichen am Herzen. Dafür wurde gesungen, gebacken, Geld gesammelt, viel Papier beschrieben, wobei der Förderverein nicht locker ließ. Schon zu DDR-Zeiten versuchten sie mit Hilfe von LPG und West-Material der Partner aus Wuppertal, ihre Dorfkirche vor dem Verfall zu retten. Umso denkwürdiger war dieser 1. Oktober.

Märkische Allgemeine vom 04. Oktober 2011

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