Neuer Putz in Perwenitz

BAUEN: Dorfkirche bald fertig saniert / Ende Oktober sollen die Arbeiten abgeschlossen sein

PERWENITZ - Sogar die Turmuhr haben sie aufgehübscht. Die Arbeiter haben den Rost abgeklopft, neue Farbe auf dem Ziffernblatt verteilt und auch die Zeiger wieder nachgedunkelt. Kosmetik, aber umsonst gibt es auch die nicht. "Das kostet gleich wieder 1000 Euro", sagt die Vorsitzende des Gemeindekirchenrates, Brunhilde Vandrey, und seufzt ein bisschen. Aber die Kirchengemeinde kann es sich leisten. Die 220 000 Euro, die die Hüllensanierung des Perwenitzer Gotteshauses kostet, liegen bereit, und wenn der Bau schon runderneuert wird, dann soll man hinterher natürlich auch der Uhr ihre 150 Jahre nicht mehr ansehen.

Die Arbeiten, die derzeit an der Dorfkirche stattfinden, sind der letzte große Abschnitt einer Jahrzehnte währenden Sanierung. Die Kirche war um 1860 errichtet worden, wohl unter Mitwirkung des Schinkel-Schülers Friedrich August Stüler. Nach der Wende konstatierten die Perwenitzer allerdings einen instabilen Turm und ein löchriges Dach. Der einst kunstvoll gestaltete Innenraum war mit weißer Farbe übertüncht und die ursprünglich gelbliche Fassade in ein stumpfes grau getaucht worden. Anfang der Neunziger begannen die Perwenitzer deshalb, den Turm zu richten. Anschließend wurde das Dach gemacht. Von 2007 bis 2009 stellte die Kirchengemeinde den Innenraum wieder so her, wie er im 19. Jahrhundert angelegt worden war, dann schrieben die Mitglieder einen Förderantrag für die Fassade und begannen zu warten.

Die Fassadensanierung war dringend erforderlich, sagt der Bauingenieur Dietmar Jeschke, der die Sanierung projektiert hat und sie überwacht. Der Putz war beschädigt, die Backsteine darunter angegriffen, Regenwasser hatte im Laufe der Jahre Salz aus den Fugen gespült, das sich im Mauerwerk angereichert und dort die Steine zersetzt hatte. Zudem war das Fundament in einer miserablen Verfassung. Für Dietmar Jeschke eine Herzensangelegenheit: Er ist selbst ein Perwenitzer. "Das ist schon etwas ganz Besonderes, an der eigenen Dorfkirche arbeiten zu dürfen. Es hätte mir schon einen Stich versetzt, wenn ein anderes Büro den Auftrag bekommen hätte", sagt er.

Fast hätte die Sanierung aber abgeblasen werden müssen. Das Konsistorium der Landeskirche lies sich etwas viel Zeit mit der Baugenehmigung. Die Perwenitzer müssen aber das Fördergeld etwa 120 000 Euro kommen vom Land Brandenburg bis Mitte November abrechnen, damit es nicht verfällt. Die Arbeiten sollten also Ende Oktober abgeschlossen sein und im Juni hatte sich die Kirche immer noch nicht geregt. Erst ein Anruf beim Bischof brachte die erlösende Unterschrift. Die Firmen machten sich dann sofort ans Werk und vertrödelten auch danach keine Zeit. "Wir liegen genau im Zeitplan", sagt Brunhilde Vandrey erleichtert.

Inzwischen wurden Mauerwerk und Fundament repariert, die Kirche hat eine Dachrinne bekommen, damit das Regenwasser künftig keinen Schaden mehr anrichtet. Derzeit sind die Maurer noch dabei, sechs Zentimeter dicken Spezialputz aufzubringen. Der wird dann wieder so gelb, wie die Kirche im 19. Jahrhundert durch Perwenitz strahlte.

Wenn diese Arbeiten erledigt ist, fehlen nur noch ein paar Pinselstriche im Kircheninneren. Vielleicht wird auch noch der Fußboden erneuert das hängt unter anderem davon ab, was das Denkmalamt für Vorstellungen hat. "Wir gehen davon aus, dass die Kirche in spätestens zwei, drei Jahren komplett fertig ist", sagt Dietmar Jeschke. (Von Oliver Fischer)

Märkische Allgemeine vom 08. Oktober 2011

   Zur Artikelübersicht