Die Kirchenglocke läutet wieder

SCHWARZENBURG Einen besonderen Augenblick haben die Schwarzenburger Einwohner am vergangenen Sonntagnachmittag erlebt. Nach fünf Jahren Ruhe hörten sie wieder den hellen Klang ihrer Kirchenglocke, die aus dem Jahr 1888 stammt. Danach öffnete der Heimatverein die Tür zum Schulmuseum im historischen Gebäudeensemble.

 
Pfarrer Stephan Schönfeld (2.v.l.) weihte den Glockenturm in Schwarzenburg ein.
Foto: Birgit Keilbach/bkh1

Zuvor hatte Pfarrer Stephan Schönfeld aus Schlieben nach dem Erntedankgottesdienst feierlich den reparierten Glockenturm eingeweiht. Musikalisch bereicherten die Sängerinnen und Sänger vom "Schliebener Kirchenchörchen" dieses Ereignis.

Etwa 8000 Euro seien in die Sanierung des hölzernen Glockenturmes geflossen, sagte Ortsvorsteherin Christine Neubert. Die Finanzierung sei von der Gemeinde Heideblick und der Unteren Denkmalschutzbehörde des Landkreises Dahme-Spreewald ermöglicht worden.

"Der Tragebalken musste dringend repariert werden, deshalb konnte die Glocke in den letzten Jahren nicht mehr geläutet werden", sagte die Ortsvorsteherin. Außerdem sei der Betonsockel einschließlich der Treppe ausgebessert worden. Der Turm hat neue Bretter erhalten, die in einem warmen Rotton angestrichen wurden.

Für die 76 Einwohner des Dorfes in der Gemeinde Heideblick war die Einweihung ein Tag voller Freude. "Ich habe den Glockenklang sehr vermisst. Es war so trostlos ohne die Glocke, die nun zum Gottesdienst und zu den Beerdigungen läutet", sagte Jutta Sosnowski. Letzteres habe vielen Schwarzenburgern sehr gefehlt, so Petra Ilsitz. "Gerade für die Älteren ist es schön, dass die Tradition mit dem Glockengeläut weiter lebt", ergänzte sie. Dazu gehöre auch das "Weihnachtsmann Runterläuten", ein seit vielen Jahren praktizierter Brauch am Heiligabend. "Nachmittags versammeln sich die Familien aus dem Ort und stimmen sich beim Glockengeläut auf das Weihnachtsfest ein", erzählte Christine Neubert. Früher soll es um Mitternacht sogar ein "Weihnachtsmann Hochläuten" gegeben haben. "Das machen wir aber heute nicht mehr", fügte sie an. Dafür werde in der Silvesternacht das neue Jahr eingeläutet.

Zum Einweihungsfest hatten die 22 Mitglieder des Heimatvereins nicht nur die Kaffeetafel im Zelt mit selbstgebackenen Kuchen reich gedeckt. Sie öffneten gleichzeitig die Tür zum Schulmuseum in der historischen Einklassenschule. Das denkmalgeschützte Gebäudeensemble vereint Kirche, Klassenraum und die einstige Lehrerwohnung. Der ehemalige Lehrer, Helmut Österitz, hatte das Museum 2004 eröffnet. Die vielen Besucher, unter ihnen die Landtagsabgeordnete Sylvia Lehmann (SPD) und Luckaus Bürgermeister Gerald Lehmann (parteilos), nahmen das gut erhaltene, originale Inventar vergangener Zeiten in Augenschein. "Wir sind das erste Mal nach unserer Schulzeit wieder hier. Da werden Erinnerungen wach, vor allem an Herrn Österitz. Er war streng, aber wir haben auch sehr viel von ihm gelernt", erzählten die Schwestern Ingrid Götze und Margrit Lehmann (beide geborene Neubert). "Sogar Fotos von uns gibt es noch", staunte Ingrid Götze. "Es war ein schönes Gefühl, mal wieder in der alten Schulbank zu sitzen. Gut, dass dieses Klassenzimmer so erhalten geblieben ist", sagte ihre Schwester Margrit.

Das Schulmuseum will der Heimatverein gern erweitern und darin auch Projekttage für Schulen anbieten, informierte Bianca Hauptvogel vom Heimatverein. "Es ist noch viel Material vorhanden, um es weiter auszubauen", ergänzte sie. Einiges davon werden die Vereinsmitglieder künftig ordentlich präsentieren können. Gerd Kasprick vom Energieversorger enviaM überreichte dem Heimatverein einen Scheck in Höhe von 750 Euro für die Anschaffung von Vitrinen für das Schulmuseum.

Von Birgit Keilbach

Lausitzer Rundschau vom 18. Oktober 2011

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