Dörrwalder Kirche bleibt im Dorf

DÖRRWALDE Der Kirchturmbau in Dörrwalde (Dorfkirche des Monats Mai 2010) ist fast vollendet. Mit der Bekrönung in 32 Metern Höhe ist am Dienstagmorgen der Endpunkt erreicht worden. Vor 36 Jahren musste der alte Kirchturm dem Bergbau weichen. Nun haben die Dörrwalder ihr Wahrzeichen zurück. Der Wiederaufbau hat die Einwohner seit zwei Jahrzehnten beschäftigt.

 

Dieses Erlebnis hätte sich Pfarrerin Dorothee Lange-Seifert (52) normalerweise niemals nehmen lassen. Nach mehreren Knochenbrüchen im Frühjahr blieb ihr am Dienstagmorgen, wenn auch unfreiwillig, nur die Zuschauerrolle am Fuße des neu aufgebauten Kirchturms. Von unten verfolgte sie, wie oben, in 32 Metern Höhe, der Endpunkt für den Wiederaufbau gesetzt wurde.

Auf die schieferbedeckte Turmhaube wurden zur Bekrönung eine Kugel sowie Wetterfahne samt Morgenstern gesetzt. Das kupferne Teil ist noch einmal drei Meter hoch und wiegt 130 Kilogramm. Das Werk ist damit so gut wie vollendet. Die Gerüste sollen in den nächsten zwei Wochen fallen. Dann ist der Blick frei auf den Kirchturm, um den ganz Dörrwalde so lange kämpfen musste. "Es ist schon eine Erleichterung, dass es tatsächlich gelungen ist und uns der lange Atem niemals ausgegangen ist", zeigt sich die Pfarrerin dankbar.

Das Ritual der Turmbekrönung verfolgt Rentnerin Rotraut Alter in luftiger Höhe. Die 70-Jährige, die erst im Frühjahr nach Dörrwalde gezogen ist, lässt es sich nicht nehmen, selbst dabeizusein, wenn die Spitze aufgesetzt wird. Also kraxelt sie die vielen Leiterstufen am Baugerüst nach oben und vergisst jedweden Anflug von Höhenangst. Die Kupferkugel hat für die Dörrwalder wichtige Dokumente im "Bauch". Eingelötet sind die Chronik der Kirchensanierung, der Gemeindebrief zum ersten Spatenstich vor einem Jahr, Postkarten von Dörrwalde, die Dorfchronik, Münzen, das Liederblatt vom Richtfest, Beiträge der Lausitzer Rundschau und der Dienstausweis der Pastorin. Kaum aufgesetzt und fest angeschraubt, beginnt sich die Wetterfahne im Wind zu drehen. "Ein gutes Zeichen", kommentiert Manfred Hamann. Mit seinen 71 Jahren hält er den Krönungsakt für die Kirchenchronik in Bildern fest.

Bevor der Kirchturm im Frühjahr offiziell eingeweiht wird, gibt es noch viel Arbeit. Der blau-graue Außenanstrich mit weißen Bändern wird in den nächsten Tagen vollendet. Innen läuft der Ausbau der Balgkammer, damit die Orgel vor dem Weihnachtsfest wieder in Betrieb genommen werden kann. Treppen und Stiegen sind noch einzubauen, ebenso wie die Wartungsluken für die Glocken.

Von Andrea Budich

Lausitzer Rundschau vom 26. Oktober 2011

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